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  • vor 21 Stunden
Nur wenige Menschen wissen, dass medizinische Tests Tierversuche erfordern. Ein deutsches Start-up entwickelt tierversuchsfreie Schwangerschaftstests mit Hilfe von Algen.

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Transkript
00:00Diese kleinen Tests können große persönliche Fragen schnell beantworten.
00:04Hast du die Grippe? Hast du Corona? Bist du schwanger?
00:07Was die meisten Menschen nicht wissen, für ihre Herstellung werden Tiere eingesetzt, die dabei sterben können.
00:13Doch diese unscheinbaren Algen, die an unseren Küsten wachsen und im Ozean treiben, könnten das beenden.
00:20Zwei Gründerinnen haben den ersten tierversuchsfreien Schwangerschaftstest entwickelt.
00:25Jetzt möchten sie die Botschaft verbreiten.
00:28Wir brauchen mehr Bewusstsein und Leute, die das Produkt kaufen, denn dann folgt die Industrie.
00:34Könnte dies die tierversuchsfreie Zukunft der Diagnostik sein?
00:40Wir sind im Norden Deutschlands, dort, wo das Meer auf den Strand trifft.
00:45Alina Eilers und ihr Vater sind auf der Schatzsuche nach dem Star dieser Geschichte.
00:49Er versteckt sich irgendwo im Schlick.
00:51Bei Ebbe zieht sich das Meer bis zu 40 Kilometer zurück und legt das deutsche Wattenmeer frei.
00:57Ein UNESCO-Weltnaturerbe.
01:02Wenn das Wasser weg ist, sieht man Millionen von Tieren.
01:05Es ist ein riesiges Ökosystem, das einzigartig und faszinierend ist.
01:09Mehr als 10.000 Arten leben hier, oft tief im Schlick versteckt.
01:14Wie die Pfeffermuschel, die sich in den Boden eingräbt.
01:18Oder der Wattruhm.
01:21Die sind so schleimig.
01:23Okay, okay, wenn sie sich langsam bewegen, ist alles in Ordnung.
01:30Und dann ist da noch dieser braune Matsch.
01:32Die Algen, um die es geht.
01:34Man kann sie leicht übersehen.
01:37Es ist braun auf braun, genauer gesagt rostbraun auf schlammbraun.
01:41Es ist ein sehr einfacher Organismus.
01:44Er braucht nur Sonnenlicht, Salzwasser, einige andere Nährstoffe und CO2, um Photosynthese zu betreiben,
01:50zu wachsen und Sauerstoff zu produzieren.
01:55Tatsächlich stammen 25 Prozent des gesamten Sauerstoffs, den wir atmen, von dieser Algenart,
02:01die aus der Nähe betrachtet faszinierend aussieht.
02:04Sie heißt Kieselalge und es existieren 100.000 Unterarten davon.
02:08Sie bindet zudem 25 Prozent des gesamten CO2 in der Atmosphäre
02:12und spielt somit eine entscheidende Rolle dabei, dass sich unser Planet nicht noch weiter erwärmt.
02:17Sie ist extrem robust.
02:18Sie hält sogar aus, wenn sie in der Sonne gart.
02:20Das macht ihr nichts aus.
02:22Sie erholt sich wieder.
02:22Sie überlebt.
02:24Und, wie Alina herausgefunden hat, sie hat das Potenzial,
02:27unsere Diagnoseverfahren grundlegend zu verändern.
02:31Dafür muss sie jedoch ihren natürlichen Lebensraum verlassen
02:33und ins Labor.
02:35Dort wird sie zur Herstellung eines Schwangerschaftstests verwendet.
02:38Der erste komplett ohne Tierversuche.
02:40Die meisten Schnelltests funktionieren nach folgendem Prinzip.
02:44Antikörper auf dem Teststreifen erkennen ein bestimmtes Antigen,
02:47etwa ein Hormon im Urin schwangerer Frauen, und geben ein Signal ab.
02:51Um die zu gewinnen, nutzen Wissenschaftler im Grunde das Immunsystem von Tieren aus.
02:55Ein Beispiel wären Mäuse oder Kaninchen.
02:58Man injiziert ihnen das betreffende Antigen.
03:01Das Tier produziert dann auf natürliche Weise Antikörper gegen dieses Protein,
03:06woraufhin man ihm Blut entnimmt.
03:11Wissenschaftler gehen so vor, wenn sie einen neuen Test entwickeln,
03:14etwa bei einer neuen Corona-Variante.
03:16Aber das ist noch nicht alles.
03:18Versuchstiere werden auch zur Massenproduktion von Antikörpern für gängige Tests eingesetzt.
03:23Verdeckte Aufnahmen aus einem deutschen Betrieb zeigen Kaninchen,
03:26die zur Antikörperproduktion und Blutentnahme gehalten werden.
03:29Es ist ein besonders grausamer Fall.
03:31Diese Methode ist schon Jahrzehnte alt, wird aber bis heute angewandt.
03:35Jedes Jahr werden allein in der EU schätzungsweise 276.000 Tiere
03:39für die Antikörperproduktion eingesetzt,
03:41wenn auch nicht nur zu diagnostischen Zwecken.
03:43Zum Glück gibt es andere Methoden zur Herstellung von Antikörpern.
03:48Zum Beispiel mit Hilfe von Bakterien und Hefekulturen,
03:51obwohl sie die komplexen Antikörper, die Alina benötigt, nicht bilden können.
03:59Beim herkömmlichen Verfahren wird eine sehr kleine Anzahl von Tieren verwendet.
04:03Ihnen entnimmt man Zählen, die man immortalisiert.
04:06Und dann kann man diese Antikörper so lange herstellen, wie man möchte.
04:10Das nennt man tierische Zellkultur
04:12und kann in einem Labor wie diesem durchgeführt werden.
04:14Das ist jedoch auch mit Kosten verbunden,
04:17weil die Zellen anspruchsvoll sind.
04:20Die tierische Zellkultur benötigt ein Umfeld, das dem Blut ähnelt,
04:23weil die Zellen eine Umgebung brauchen, die sie kennen.
04:26Sie werden also bei 37 Grad in einer Lösung gehalten,
04:29die aus Blutserum anderer Tiere besteht.
04:34Um diese Bedingungen zu schaffen,
04:36ist hochwertige Ausrüstung erforderlich,
04:38zum Beispiel teure Inkubatoren.
04:40Die Kosten für die Entdeckung und Herstellung von Antikörpern sind enorm hoch.
04:44Wenn es gelingt, die Produktion auf Basis von Algen zu etablieren
04:48und im großen Maßstab durchzuführen, wäre das ein riesiger Vorteil.
04:53Denn die besagten Algen sind äußerst anspruchslos.
04:57Sie mögen Meereswassertemperatur,
04:58also die 20 Grad in diesem Becken,
05:01einfaches Salzwasser und viel Licht.
05:03Im Moment ist hier allerdings nur Wasser drin.
05:06Dadurch lässt sich das System wesentlich einfacher betreiben.
05:09Theoretisch könnten die Algen Antikörper
05:11für verschiedene sogenannte Lateral Flow Tests bilden.
05:14Also für die Art von Tests,
05:16die man normalerweise zu Hause verwendet.
05:18Alina und ihr Team arbeiten bereits an der Entwicklung von Tests,
05:21die die Wechseljahre und den Eisprung erkennen können.
05:26Die meisten Lateral Flow Tests kommen in Ländern
05:29mit niedrigem bis mittlerem Einkommen zum Einsatz.
05:32Dort versuchen wir, die Kosten so gering wie möglich zu halten.
05:35Wenn man diese Kosten senken kann,
05:37indem man die Antikörper in Algen produziert,
05:39die für die Produktion nur Sonnenlicht benötigen
05:41und dabei vielleicht deutlich weniger Energie und Personal,
05:44dann ist es natürlich ein echter Vorteil.
05:48Doch damit das funktioniert,
05:49müsste erstmal eine ganze Branche überzeugt werden.
05:53Theoretisch würde das der europäischen Politik entsprechen.
05:55Die Europäische Kommission forderte in einem Bericht von 2020,
05:59den Einsatz von Tieren zur Herstellung von Antikörpern einzustellen.
06:02Aus ethischen Gründen und weil es sinnvolle Alternativen gibt.
06:06In der Praxis ist das jedoch schwer umsetzbar.
06:09Der Einsatz von Tieren in diesem Sektor ist fest etabliert.
06:12Was funktioniert, soll man nicht ändern, ist die Devise.
06:16Bioingenieure sind im Allgemeinen risikoscheu.
06:18Man setzt also auf das, was gut erforscht ist
06:21und zuverlässig funktioniert.
06:22Und natürlich dominieren hier große Pharma-
06:25beziehungsweise Biochemie-Unternehmen.
06:28Diese legen vor allem Wert auf Preis, Qualität
06:31und eine solide Wertschöpfungskette.
06:33Und sie sind noch nicht davon überzeugt,
06:35dass die neuen Antikörper besser sind als das,
06:37was bereits auf dem Markt ist.
06:39Deshalb wollen Alina und ihr Team beweisen,
06:41dass ihr Ansatz industrie-tauglich ist.
06:442025 kam ihr Schwangerschaftstest in die Regale Deutscher Drogerien.
06:47Er ist EU-zertifiziert und liefert zu 99% korrekte Ergebnisse.
06:52Genau wie herkömmliche Tests.
06:54Am Anfang war es irgendwie unwirklich,
06:56mein eigenes Produkt im Regal zu sehen.
06:58Das ist echt eine tolle Erfahrung.
07:03Seitdem musste Alina den Preis bereits senken,
07:05weil Verbrauchern das Produkt zu teuer war.
07:07Aktuell kostet er etwa so viel wie konventionelle Tests.
07:10Auf deren Verpackungen wird die Verwendung von Tieren nirgends erwähnt.
07:14Mit etwas Glück findet man den Hinweis im Kleingedruckten.
07:19Es wird nicht kommuniziert.
07:21Die Kunden, egal ob sie allgemeine Tests oder Schnelltests kaufen,
07:24wissen einfach nichts davon.
07:28Bei Kosmetika sieht das anders aus.
07:31Die Branche hat schon vor Jahren
07:32auf tierversuchsfreie Verfahren beim Make-up umgestellt.
07:35Und das auch entsprechend gekennzeichnet.
07:37Alina hofft, das Gleiche für Schnelltests zu erreichen.
07:40Doch zunächst muss sie die Botschaft verbreiten.
07:45Ein paar Tage später in Berlin.
07:47Alina und ihre Mitgründerin Stefanie bereiten sich auf ihren Auftritt vor.
07:51Bei der Live-Aufzeichnung in einer YouTube-Show
07:53präsentieren mehrere nachhaltige Start-ups ihre Produkte vor Influencern.
07:58In der Hoffnung auf mehr Reichweite.
08:02Das ist immer die Hürde.
08:04Das Publikum weiß davon nichts.
08:06Wir müssen darauf aufmerksam machen.
08:08Und Stefanie kann das sehr gut.
08:10Das ist ja süß.
08:12Sie stellt uns vor.
08:15Die Anspannung im Raum ist groß.
08:18Noch ein paar letzte Vorbereitungen vor dem Auftritt.
08:23Und los geht's.
08:29Wir haben also nicht nur ein besseres Produkt geschaffen,
08:32sondern eine Zukunft, in der für Schwangerschaftstests
08:35und andere Schnelltests kein Tier mehr sterben muss.
08:39Ja, ist okay. Machen wir.
08:40Ja, danke schön.
08:41Machen wir.
08:41Super, ja, dann könnt ihr euch gerne noch mal umarmen.
08:44Und Erfolg.
08:51Es war der Wahnsinn.
08:53Es war einfach unglaublich toll.
08:55Sie waren so herzlich.
08:57Sie waren so interessiert.
08:58Und wir haben einen Deal.
09:04Eine der Influencerinnen mit einer riesigen weiblichen Fangemeinde
09:07hat zugestimmt, das Produkt online zu präsentieren.
09:10Sie war selbst überrascht, als sie von den Tierversuchen erfuhr.
09:14Ich wusste es natürlich auch nicht, dass Schwangerschaftstests nicht vegan sind.
09:18Ich finde das total wichtig, einfach zu dem Thema was zu machen,
09:21diese Infos in die Welt rauszutragen.
09:23Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie gut das funktioniert.
09:27Um die Diagnostik wirklich zu verändern, benötigen Alina und Stephanie für ihre Technologie
09:32Finanzierung, Skalierungsmöglichkeiten und Vertrauen.
09:34Von Zulassungsbehörden, Herstellern und letztendlich auch Verbrauchern.
09:39Wenn das gelingt, könnten weniger Tiere gefährdet und Ressourcen geschont werden.
09:43Weltweit könnten mehr Menschen von diagnostischen Verfahren profitieren.
09:46Von der Berliner Bühne über das Labor bis hin zum Meer.
09:50Diese Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn die Wissenschaft über Routinen hinausblickt
09:54und neue Wege geht.
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