- vor 5 Tagen
Es is eine Hiobsbotschaft für alle Beschäftigten der Volkswagen AG und für den europäischen Wirtschaftsstandort. Weltweit will VW offenbar rund 100.000 Jobs abbauen. So zumindest mehrere Medienberichte. Fakt ist, dass Volkswagen vor extrem großen Umstrukturierungen steht. Überproduktion, sinkende Absatzmärkte und die Konkurrenz aus China, die den deutschen in Sachen E-Mobilität einfach davonzieht. Namhafte Wirtschaftsexperten warnen bereits davor, dass große chinesische Unternehmen wie BYD irgendwann VW kaufen könnten. Was da dahinter stecken könnte und wie dramatisch die Situation wirklich ist, besprechen wir mit Ferdinand Dudenhöffer, Automarktexperte aus Deutschland.
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NewsTranskript
00:00Stirbt der Traditionshersteller Volkswagen und reißt damit die gesamte europäische Autoindustrie in den Abgrund
00:06und könnten sogar chinesische Unternehmen Volkswagen kaufen?
00:10Bis zu 100.000 Stellen will Volkswagen weltweit abbauen,
00:14eine Hiobsbotschaft für einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik.
00:18Wir sprechen heute darüber, was bei Volkswagen eigentlich falsch läuft
00:21und wie die Auswirkungen auf uns alle sein könnten.
00:24Ich bin Daniel Retschitz-Ecker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast, der Standard.
00:34Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer heute hier im Standard-Podcast.
00:38Grüße Sie, Herr Dudenhöfer.
00:40Schönen guten Tag, grüß Gott.
00:41Herr Dudenhöfer, bis zu 100.000 Jobs will der VW-Konzern weltweit abbauen.
00:47Das ist eine unfassbare Summe.
00:49Was steckt denn hinter dieser Hiobsbotschaft?
00:52Auf der einen Seite ist es natürlich das Problem, dass in den Werken, die überwiegend in Deutschland sind,
00:58in Niedersachsen sind mit hohen Kostenbelastungen, man arbeitet, also wenig produktiv arbeitet.
01:04Zum Zweiten ist es so, dass in großen Märkten wie China und Amerika das Geschäft schlecht läuft.
01:10Der Markt ist schlecht.
01:11Von daher hat man ein zweites Problem.
01:13Das dritte Problem ist, dass die Fahrzeuge, die man in Deutschland macht, produziert von VW, zum Teil wenig wettbewerbsfähig sind,
01:23gegenüber Skota, der Hausmörder aus Mladaborslav, die ähnliche Technologie hat, aber bessere Preis-Wert-Verhältnisse.
01:33Das heißt, VW schneidet sich auch hier mit seiner eigenen günstigeren Marke ins Fleisch.
01:38Verstehe ich das richtig?
01:39Es ist schon länger ein Thema, schon seit 20 Jahren, 30 Jahren, dass man eben halt im Wettbewerb,
01:45wenn man eine Plattformstrategie hat und die gleiche Technologie bei unterschiedlichen Marken anwendet,
01:52dann die Marken, die preisgünstiger sind, eben halt einen Vorteil haben.
01:56Und Skota ist preisgünstiger, weil die Kostenbedingungen in Tschechien völlig anders sind,
02:03viel, viel besser als in dem schlechten Deutschland.
02:06In dem schlechten Deutschland.
02:08Vielleicht bleiben wir gleich bei dieser Aussage von Ihnen.
02:10Denn weiß man denn zu 100 Prozent, wo denn diese Jobs abgebaut werden sollen?
02:15Sie haben Deutschland schon angesprochen.
02:16Ich habe gelesen, die Produktion in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm,
02:21ich hoffe, ich spreche das richtig aus, könnte auslaufen.
02:23Das wären, wie gesagt, vier deutsche Standorte.
02:27Ja, also erstens mal ist es überraschend, dass nachdem vor sechs Monaten 50.000 Mitarbeiter diskutiert worden sind,
02:3850.000 Jobs, die abgebaut werden sollen, man ein paar Wochen später plötzlich 100.000 sagt.
02:44Das wirkt wenig vertrauenswürdig.
02:48Weder bei den Mitarbeitern, noch bei der Gewerkschaft, noch bei den Kunden,
02:55die ja auch immer durch solche Meldungen negativ tangiert werden.
03:00Das ist das Erste, was völlig überraschend ist.
03:03Und das Zweite ist, bei VW, selbst bei der Marke VW, hat man ja schon 35.000 festgesetzt im letzten
03:10Jahr.
03:10Und es sind zu großen Teilen schon mit Abfindungsgesprächen definiert worden,
03:15sodass man bis zum Jahr 2030 diese 35.000 weniger, überwiegend in Deutschland, überwiegend in Niedersachsen hat bei VW.
03:24Deshalb war es überraschend jetzt, dass man über Nacht mit 100.000 gekommen ist.
03:30Das ist einmal Audi. Audi tut sich sehr schwer.
03:34Schon seit dem Dieselgate hat Audi keinen richtigen Boden mehr unter den Füßen.
03:40Viele Wechsel, auch im Technologiebereich.
03:43Man fängt immer wieder von vorne an.
03:46Und jetzt hat Döpner, der Vorstandsvorsitzende, gesagt,
03:50dass die längerfristigen Ziele, die man hat beim Verkauf, nicht erreichbar sind.
03:54Also brauchen wir weniger Kapazität im Produktionsbereich.
03:58Also bauen wir ab.
04:00Und eine Möglichkeit wäre, Neckarsulm.
04:02Das ist in der Nähe von Stuttgart, das Werk zu schließen.
04:06Ein altes Werk, was schon immer NSU im Prinzip, Neckarsulm, für Audi ist.
04:12Das ist das Erste.
04:14Das Zweite sind zwei VW-Werke.
04:16Einmal in Zwickau.
04:18In Zwickau werden vollelektrische Autos gebaut.
04:22Dort ist man sehr frühzeitig reingegangen.
04:24Also VW war einer der Ersten, die Fabriken komplett umgestellt haben für Elektroautos.
04:30Also das, was man öfter hört, VW hätte verschlafen.
04:33Das ist einfach dumm und falsch, diese Behauptungen.
04:36Das Zweite ist Emden, das ist auch ein rein elektrisch Antriebswerk.
04:42Also mit reinen Elektroautos.
04:44Beide Werke tun sich schwer in der Auslastung,
04:46weil die Elektromobilität halt dann doch schlechter geworden ist, als man gedacht hat.
04:52Da hat unsere Politik und Brüssel und vieles mehr eine Mitschuld daran.
04:57Also die Autobauer sind erst gejagt worden ins Elektroauto und dann hat man sie hängen lassen.
05:03Das ist das Zweite, was man sieht und was man jetzt hört.
05:06Auch das war ganz interessant, dass der Ministerpräsident von Niedersachsen, Olaf Lies, heißt er, ein sehr erfahrener Mensch, ein Ingenieur,
05:18der neben seiner Aufgabe als Ministerpräsident in diesem Bundesland Niedersachsen, dem Kernland von VW,
05:25natürlich auch noch eine ganz, ganz gewichtige Position im Aufsichtsrat von VW hat.
05:30Und Lies hat vorgeschlagen, nehmt doch die Autos, die in China entwickelt werden und bringt die in die deutschen Werke.
05:37Und damit haben wir kostengünstigere Produkte, die wir anbieten können.
05:44Nur ganz kurz, China und VW macht in China eine Strategie, in China, für China und hat ein eigenes große
05:50Entwicklungszentrum.
05:51Braucht Wolfsburg nicht.
05:52Wenn also die Fahrzeuge jetzt in Zwickau oder in Emden oder in beiden Werken aus China gebaut werden,
06:01mit der chinesischen Technik, die besser ist als die Wolfsburger Technik,
06:05muss man mit rechnen, dass in Wolfsburg im Entwicklungsbereich ebenfalls großer Personalabbau stattfindet.
06:13Und diesen Punkt, dass diese exklusiv für den chinesischen Markt hergestellten VW-Modelle
06:18jetzt eventuell in Deutschland oder halt in Europa produziert werden sollen,
06:22den habe ich ebenfalls auf meiner Liste.
06:23Vielleicht vertiefen wir den gleich.
06:25Ich verstehe nicht so ganz, wo die Aufregung bei diesem Punkt ist.
06:29Wenn Sie sagen, die Technik ist besser.
06:31Ich meine, natürlich sollte man auch für den europäischen Markt,
06:35wenn man sich halbwegs selbst ernst nimmt, die beste Technik produzieren.
06:38Warum produziert man offensichtlich für Europa etwas, das schlechter ist?
06:40Das macht irgendwie auch keinen Sinn.
06:41Ja, theoretisch haben Sie vollkommen recht.
06:45Die Praxis ist immer so ein bisschen unterschiedlich.
06:47Schauen Sie, in Wolfsburg arbeiten viele Entwickler im Entwicklungszentrum.
06:52Man hat auch Carrier da aufgebaut.
06:54Gemeinsam mit Bosch, der große Bosch-Auftrag für autonomes Fahren,
06:58scheint storniert worden zu sein.
07:00Für Bosch ist das eine Blamage.
07:02Das heißt, die chinesischen Autos sind besser.
07:04Aber wenn Sie die chinesischen Autos nach Europa bringen,
07:08dann brauchen Sie Wolfsburg nicht mehr.
07:11Da brauchen Sie nicht mehr die Produktions- oder die Entwicklungskapazitäten in Wolfsburg.
07:16Dass dann die IG Metall sich darüber freut, kann man sich kaum vorstellen.
07:21Also es ist politisch viel Sprengstoff in dieser Diskussion.
07:27Gut wäre es für VW, aber man muss schauen, wie man mit diesem Sprengstoff zurechtkommt.
07:33Ganz banal gesagt, aus Sicht von Volkswagen wäre das Ihrer Einschätzung nach die beste Methode.
07:38Ich habe gelesen, dass diese chinesischen Modelle auch im Vergleich zur europäischen
07:42ja auch deutlich günstiger sind, was ja wiederum im Verkauf die niedrigen Margen ankurbeln könnte, oder?
07:49Also die Autos sind besser, sind günstiger, haben mehr Technologie drin.
07:54Das kommt dann dazu zustande, dass man in China auch mit Chinesen zusammenarbeitet,
07:58mit Xiaobong oder Xpeng, wie man es schreibt.
08:02Xpeng ist ein Unternehmen, das ist auch in Europa so ähnlich wie Elite Motor mit Zelandis zusammen.
08:08Und dieses Unternehmen Xiaobong gibt VW Entwicklungshilfe, muss man sich mal vorstellen.
08:17Die sind deutlich besser, deutlich schneller.
08:19Dann hat man in China Halbleiterhersteller wie Horizon Robotics, mit denen arbeitet man schon lange zusammen.
08:25Auch da ist man besser.
08:26Das heißt, das digitale Auto ist in China um Wellenlänge besser als in Europa.
08:33In Deutschland hängt man da hinterher.
08:34Das ist der erste Punkt und der zweite Punkt, Entwicklungskosten in China und Entwicklungszeit sind deutlich geringer.
08:41Also in China werden in zwölf Monaten neue Fahrzeuge entwickelt.
08:46Bei uns sind es drei, vier Jahre, bis da die neue Entwicklung drin ist.
08:51Und wenn das so lange dauert, dann ist es auch teuer.
08:53Also die Entwicklungskosten sind 50 Prozent auch nochmal teurer.
08:57Von daher macht es Sinn.
08:58Aber es ist immer die Frage, die politische Frage, was bleibt von Deutschland übrig?
09:04Übrigens, was für VW gilt, gilt auch für BMW.
09:08BMW hat vor ein paar Tagen eine Gewinnwarnung ausgebracht.
09:11Muss man sehr ernst nehmen.
09:13Der vorhergehende Vorstandsvorsitzende hat immer wieder betont, wie gut seine Strategie ist.
09:19Wie fest er im Sattel sitzt mit seiner Strategie.
09:23Jetzt sehen wir, dass die Fahrzeuge, die nach China kommen, diese neue Klasse, dort im Wettbewerb nicht wettbewerbsfähig sind.
09:30Und die Chinesen, wie Chao Ming, kommen zu uns.
09:33Angels gilt für Mercedes, wobei Mercedes schneller in China in die Entwicklung geht.
09:39Also wir müssen mit China zusammenarbeiten.
09:41Je mehr und stärker wir mit China zusammenarbeiten, so besser werden wir.
09:46Das tut weh.
09:47Aber das ist die Zukunft.
09:50Auf diesen Punkt würde ich auch gerne noch eingehen.
09:52Wie sehr schmerzt es denn tatsächlich?
09:54Die klischeehafte Außensicht auf Deutschland ist, Deutschland ist besonders gut im Fußball.
09:59Das hat sich jetzt bei der WM diesmal wieder nicht bestätigt.
10:01Und man ist besonders gut darin, Autos zu bauen.
10:04Jetzt kommen die Chinesen daher, bauen gemeinsam mit Deutschland Autos, die offensichtlich besser sind,
10:10weil sie einfach mehr Know-how haben.
10:12Das ist ja ein Selbstverständnis, an dem hier gerüttelt wird, dass er aus seinesgleichen sucht.
10:17Das heißt, China ist ja nicht über Nacht zur Autonation geworden.
10:21China war vor 50, 60 Jahren, waren die großen Städte wie Shanghai, die Shanghai Automotive haben,
10:27oder Peking, die Beijing Automotive haben.
10:30Da hat man mit Joint Ventures zusammengearbeitet.
10:32Das war das alte Modell.
10:33Also in Deutschland entwickelt und in China gebaut.
10:36Diese Zeiten, die sind schon lange vorbei.
10:38Mittlerweile ist China führend bei allem, was das autonome Fahren betrifft.
10:44Mittlerweile ist China führend bei allem, was das sogenannte Smart Cockpit, also Entertainment-Funktionen führt.
10:51Zum Dritten ist China führend in der Batterie.
10:53Wir sind Laien, wenn wir uns die Batterien bei uns anschauen.
10:56In China sind die Batterien hochskaliert.
10:59Der chinesische Staat hat, ganz interessant, 86,3 ist so eine Zahl, die in China unendlich wichtig ist.
11:0986,3 war im Jahr 1986, im dritten Monat, da ist immer der zentrale Kongress der kommunistischen Partei.
11:19Und da ist unter Deng Xiaoping ein ganz großes Forschungs- und Entwicklungsprogramm für die Zukunft entwickelt worden.
11:26Da sind Universitäten nach vorne gegangen.
11:29Dann sind Firmen nach vorne gegangen.
11:31Dann hat man Infrastruktur gebaut.
11:33Huawei oder Huawei ist so ein Beispiel.
11:36Tencent ist so ein Beispiel.
11:37Also man hat sehr, sehr systematisch mit langem Atem Technologie ausgebaut und entwickelt in China.
11:44Das beherrscht man heute.
11:45Wir beherrschen das nicht.
11:48Wir sind gut in Fahrfunktionen, Straßenhaltung und all diese Sachen, die klassischen Themen.
11:54Aber wir sind nicht gut bei den zukünftigen Funktionen, die das Auto braucht.
11:59Einfach, weil wir in Deutschland und in Europa der Welt in vielen Dingen hinterherlaufen.
12:07Wie schaut es bei der Verfügbarkeit der Preise aus?
12:10Das ist ja auch noch so ein Punkt für Redakteure wie mich, die ein Journalistengehalt haben und jetzt vielleicht nicht
12:16im Geld schwimmen.
12:17Wenn ich mir da theoretisch Elektroautos anschaue, muss ich ganz ehrlich sagen,
12:23leistbare Fahrzeuge gibt es eigentlich tatsächlich hauptsächlich aus China.
12:27Für VW müsste ich deutlich, deutlich tiefer beispielsweise in die Tasche greifen.
12:31Ist das auch so ein Fehler?
12:32Hat man den niedrigeren Preissegment einfach verschlafen?
12:36Dieses Wort verschlafen höre ich ungern, weil die deutschen Autobauer, auch die Franzosen und die Gelder sind wirklich frühzeitig in
12:43das Elektroauto gegangen.
12:45Wir haben ein paar Nachteile, über die müssen wir reden.
12:47Die sind institutionell und die hängen mit unseren Ländern zusammen, mit unseren Nationen zusammen.
12:53Schauen Sie, wenn Sie Renault anschauen, wenn Sie Peugeot anschauen, wenn Sie Citroën anschauen, da werden Sie Fahrzeuge finden, um
13:01die 20.000 Euro, die vernünftige Reichweiten haben im Elektromobilitätsbereich.
13:06VW macht das gleiche jetzt mit dem ID. Polo, der in den Markt gekommen ist.
13:11Nächstes Jahr kommt eine Serie drunter.
13:18Die kleinen Elektroautos und die kompakten Elektroautos, die waren eben sehr schwer, weil der Großteil der Kosten beim Elektroauto bei
13:27der Batterie liegt.
13:27Die Batteriekosten waren sehr, sehr hoch.
13:29Die sind jetzt Stück für Stück zurückgegangen durch Großskalierung, aber auch durch neue Materialien, LFP, was man nimmt.
13:37Jetzt sind wir so weit, dass wir auch bei uns Elektroautos im Angebot haben, die den Kunden Spaß machen und
13:45die für überschaubares Portemonnaie kaufbar sind.
13:49Aber könnte sich ein Konzern wie Volkswagen beispielsweise, das ist jetzt ein theoretisches Beispiel natürlich, weil soweit sind wir noch
13:54nicht, wirklich nur über den Verkauf von Elektroautos finanzieren oder braucht es, zumindest aus jetziger Sicht, die Sparte der Verbrenner
14:02weiterhin?
14:04Wenn wir uns den Markt anschauen, meinetwegen den deutschen Markt, das sind derzeit 35% sind vollelektrisch, das sind so
14:13knapp 75% und dann nochmal so gut 10% sind Plug-in-Hybride.
14:18Das fasst man oft zusammen zu, die Chinesen nennen das NEVs, New Energy Wakers, das heißt das Elektroauto und dann
14:27hat man immer noch diese 65%, die dann Hybride sind, also Leichthybride, 48-Volt-Hybride.
14:34Der Diesel ist mittlerweile mausetot, also wird man nicht mehr zum Leben erwirken im Verbreitungsbereich, aber es geht Stück für
14:42Stück in die Elektromobilität über.
14:44Das Problem bei uns war, Brüssel wollte zuerst die Frau von der Leyen Green Deal, hat es groß angekündigt mit
14:53CO2-Vorschriften und all diesen Dingen und seit drei Jahren ist sie umgefallen und predigt Black Deal.
14:59So kann man nicht mit der Industrie umgehen, also man hat viel Geld in Elektroautos investiert, Electric Only war die
15:06Strategie und dann haben die Brüsseler einfach gesagt, wir haben es uns anders überlegt und wir machen jetzt mal was
15:11anderes.
15:11Also Brüssel ist eines der größten Risiken für die deutsche Autoindustrie, das muss man wirklich so sehen, auch für die
15:17österreichische Autoindustrie, Brüssel ist gefährlich.
15:20Zum Zweiten ist es so, dass in Deutschland man in die Elektromobilität gehen wollte, da gab es Prämie für Elektroautos,
15:31das ist wunderbar nach oben gegangen.
15:32Dann hatten wir einen Wirtschaftsminister, der hieß Habik, der war ein Katastrophenmensch, der hat über Nacht dann plötzlich die Prämie
15:39eingestellt und dann haben sich alle gewundert, dass die Elektroautos wieder nach unten gefahren sind.
15:45Gleichzeitig ist bei uns die AfD, also eine rechte Partei, die rechten Parteien glauben wie Donald Trump an die Zukunft
15:54des Verbrennungsmotors.
15:55Für die spielt CO2 keine Rolle. Weltklimawandel gibt es nicht für Donald Trump, das ist ein Märchen, also kann ich
16:02große Spritmodelle, Spritsäufer verkaufen.
16:06Diese AfD ist in Deutschland sehr ernst zu nehmen. Und diese AfD geht diesen Weg, wir müssen mit dem Verbrenner
16:15in die Zukunft gehen.
16:16Und damit fallen die ganzen Söders bei uns, die Ministerpräsidenten reihenweise um und beten auch wieder die Theorie von dem
16:26Verbrenner, übrigens auch der frühere BMW-Chef, der Sipser, der mit seiner Technologieoffenheit nach meiner Einschätzung Märchen erzählt hat.
16:36Wenn Sie sagen, 45 Prozent sind in Deutschland, also rein elektrische und Plug-in-Hybride zusammengerechnet, haben Sie da Zahlen
16:43für China für uns auch, wie viele es da sind, 10 Prozent?
16:46Also in China sieht es so aus, dass mittlerweile mehr als 50 Prozent vollelektrische Fahrzeuge sind.
16:51Und dann hat man in China zwei Elemente, das ist einmal das Plug-in und einmal den Range Exzender.
16:57Der Range Exzender ist ein Elektroauto, bei dem die Batterie nachgeladen wird mit dem kleinen Verbrennungsmotor.
17:04Das hatten wir schon mal beim BMW i3 vor einigen Jahren, vor 5, 6, 7 oder 10 Jahren.
17:10Das heißt, mit dem kann ich sehr große Reichweiten kriegen.
17:14Die fasst man zusammen als NEVs und Range Exzender, kommt sehr stark, ist ein preisgünstiges Element, Plug-in ist teurer.
17:23Mit Verbrennern, mit vollelektrischen Fahrzeugen, batterieelektrischen Fahrzeugen machen in China mittlerweile gut 70 Prozent des Marktes aus.
17:32Also der Markt läuft in diese Richtung. Die Ausnahme ist eine Insel, die nennt sich USA.
17:39Gut, die USA mal auf die Seite. Wenn Sie sagen, über 50 Prozent sind bereits in China wirklich vollelektrisch oder
17:45rein elektrisch.
17:46Ist da nicht die Aussage, die Sie vorher getätigt haben, aus Sicht der Autoindustrie auch vielleicht ein bisschen sehr bequem,
17:54wenn man sagt, die EU ist schuld, Green Deal, Black Deal, Red Deal, Blue Deal, wie auch immer, völlig egal
17:59eigentlich.
18:00Man kann ja nach China schauen und sagen, okay, das ist die Zukunft und egal welchen Deal die EU ausruft,
18:05wir setzen voll drauf.
18:07Ich glaube, das ist falsch. Wir müssen nach meiner Einschätzung auf das Elektroauto setzen und schnell ins Elektroauto kommen.
18:19Schauen Sie sich die Temperaturen an draußen.
18:21Also man kann nicht einfach so weiter wirtschaften, als würde es das nicht geben.
18:25Für die Autoindustrie ist es deshalb sehr wichtig, dass er in China stärker wird.
18:30Die Deutschen verlieren seit drei, vier Jahren permanent kontinuierlich Marktanteile.
18:35Die Autos sind zu teuer, die dort drüben verkauft werden.
18:38Zum Teil sind es Verbrenner und die Elektroautos sind einfach im Vergleich zu den Chinesen nicht tragfähig.
18:44Deshalb ist VW vor einigen Jahren mit seiner In-China-Für-China-Strategie gekommen.
18:50Man hat ein riesiges Entwicklungszentrum in einem Hui aufgebaut und baut alle Fahrzeuge, die in China verkauft werden.
18:57Und dann entwickelt sie im Engineering in Anhui, in China.
19:02Also Wolfsburg war gestern bei denen.
19:04Und dann kommen sie eben dazu, dass sie in China bessere Batteriepreise haben, weil die Batterie hochskaliert sind, weil die
19:10großen Batteriehersteller alle in China sind.
19:13Sie kommen dazu, dass sie bessere Engineeringkosten haben, weil die Engineeringzeit deutlich verkürzt ist, weil die Engineeringkosten verkürzt ist.
19:21In China wird 24 Stunden sieben Tage lang entwickelt.
19:24In Deutschland sind zwischendrin Ferien.
19:30Wie gefährlich ist denn tatsächlich diese Dominanz von China im Hinblick auf die deutsche Wirtschaft bzw. die Autoindustrie oder vielleicht
19:38bleiben wir bei ganz Europa?
19:40Der Top-Ökonom Neil Ferguson sagt da gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die deutsche Wirtschaft die Bedrohung aus China komplett
19:48unterschätzt hätte.
19:51Ich glaube, da würde ich nicht zustimmen.
19:53Das ist ein falsches Argument.
19:56Das sind die üblichen Argumente, wenn man Zollmauern bauen will.
19:59Also wir brauchen Schutz und wir müssen uns verstecken hinter einer Mauer.
20:02Hinter einer Mauer werden sie immer schwächer.
20:04Hinter einer Mauer fühlen sie sich sicherer.
20:06Und irgendwann ist die Mauer nicht mehr drabfähig.
20:08Und dann bricht bei ihnen alles zusammen.
20:11Nochmals, in China entsteht das neue Auto, das moderne Auto.
20:16Das ist Internet geprägt.
20:18Das ist Batterie geprägt.
20:20Es ist völlig dumm, wenn wir jetzt sagen, wir bauen Mauern und haben Angst vor den Chinesen.
20:26Das Gegenteil müssen wir machen.
20:28Wir müssen mit denen zusammenarbeiten.
20:30Und das, was in unseren Produkten gut ist und in denen Produkten gut ist, zusammenführen.
20:36So wie es VW jetzt mit Chao Pong macht.
20:38So wie Stellandes, der Konzern, mit Liebmotor macht.
20:41Also diese Angst vor den Chinesen führt dazu, dass man in die falsche Richtung geht.
20:49Die richtige Richtung ist, sich wagt man, zu schauen, dass man seine Strukturkosten, das ist ein großes Thema für Deutschland,
20:57nach unten bringt.
20:57Dass man kostenwettbewerbsfähig ist und dann versucht, mit Innovationen in den Markt zu gehen.
21:03Ich hatte Ihnen diese 86-3 genannt, diese Zahl.
21:07Das war 1986.
21:08Seit dieser Zeit haben die ein nach dem anderen konstant wirkendes, systematisches Entwicklungsziel und Engineering- und Technologieziel, was sie
21:19nach vorne treiben.
21:20Wenn sie nach Brüssel gehen, alle drei Jahre, machen die was anderes.
21:24Einmal wollen sie Batterie-King werden, dann wollen sie mal eine Cloud bauen, dann wollen sie jetzt, glaube ich, KI
21:29machen.
21:30Das ist eine Katastrophe.
21:32Sie werden nicht Weltmarktführer, wenn sie alle drei Jahre wieder von vorne anfangen und ein anderes Rennen machen und nicht
21:39bei ihrem System bleiben.
21:41Das ist unser großes Problem in Deutschland.
21:44Wenn wir Deutschland zurückgucken, Deutschland war mal sehr stark zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.
21:50Da hat es in Deutschland Weltpreise angesammelt.
21:56Kaum in der Chemie.
22:00Hahn, Neuertpreis.
22:02Einstein hat in Deutschland geforscht.
22:05in Berlin, im Kaiser Wilhelm-Institut.
22:08Das war eine goldene Zeit von Deutschland.
22:11Von der haben wir lang profitiert.
22:13Und dann sind wir in Zeiten gegangen, dass wir alle drei, vier Jahre was anderes machen.
22:17Dass wir Atomkraft mehr wollen, dann wollen wir es wieder nicht mehr.
22:19Dann wollen wir KI, dann wollen wir es wieder nicht mehr.
22:22Dann haben wir Datenschutz.
22:24Ohne Daten brauchen sie bei KI gar nicht anzufangen.
22:27Also wir zerfetzen uns in Kleinteiligkeit.
22:31Das gilt extrem für Brüssel.
22:3327 unterschiedliche Länder.
22:35Beispiel Mercosur.
22:3825 Jahre hat, muss man vorstellen, 25 Jahre verhandelt, um ein Freihandelsabkommen mit ein paar lateinamerikanischen Unternehmen, Staaten zu finden.
22:4925 Jahre.
22:50Und dann hat man die Frechheit besessen, im EU-Parlament das Ding abzuschließen.
22:56Also, Kuwait ist Europa.
23:01Ihre Einschätzung, wie am, ich verwende jetzt diesen Ausdruck, aber auch wie am Sand ist denn die europäische Wirtschaft tatsächlich?
23:08Wenn man sich dazu anhört, was Sie gesagt haben.
23:12Also, ein positives Beispiel nehmen wir Siemens.
23:14Siemens ist ein Haupttechnologieunternehmen, was nach vorne funktioniert und was gut aufgebaut ist.
23:21China und andere Märkte sind auch gut.
23:25Wir müssen gucken, wie wir besser werden.
23:28Und das ist einmal, wenn es Deutschland schafft, besser zu werden, heute Abend ist ein Gespräch über Reformen wieder im
23:36Kanzleramt, im Koalitionsausschuss.
23:38Und wenn das klappt, brauchen wir mindestens fünf, sechs, sieben Jahre, bis es umgesetzt ist.
23:44Das heißt, die nächsten fünf, sechs, sieben Jahre werden wir in Deutschland nach unten laufen, weiter nach unten laufen, weiter
23:51nach unten.
23:51Man kriegt fast schon Angst, dass Zustände kommen, wie beim Ende der Weimarer Republik, wenn man das verfolgt, was bei
23:57uns passiert.
23:57Wir müssen schneller wettbewerbsfähig werden und eine Mauer drumherum zu bauen und dann sagen, lassen wir unsere Sozialleistungen und unsere
24:04Dinge, wie sie sind, ist das Falscheste, was man machen kann.
24:08Siemens und andere agieren so, dass sie weltweit agieren.
24:12Die Autobauer übrigens auch, in China, für China zeigt ihnen, dass ein staatlicher Konzern, VW ist im Prinzip ein staatlicher
24:20Konzern, mit dem 20% und Vetorecht von dem Land Niedersatz.
24:26Dass ein staatlicher Konzern sich vor einigen Jahren entschieden hat, in China seine Dinge zu machen, weil wir dort lernen
24:35können und stabiler werden.
24:36Das muss die Zukunft sein und nicht Zollmauern oder irgendwelche Restriktionen oder irgendwelche Ängste, dass man tut, dass wir überrannt
24:44werden.
24:44Wir werden überrannt, wenn wir uns hinter Mauern sicher fühlen.
24:49Herr Dudenhöfer, wenn wir noch einmal kurz pessimistisch bleiben, in diesem Süddeutsche Zeitungsinterview, was ich Ihnen jetzt schon zitiert habe,
24:57kommt noch ein zweiter Ökonom vor, nämlich Moritz Schullerig.
24:59Und der meint, naja, VW wird wohl irgendwann einfach von einem großen chinesischen Autohersteller, wie beispielsweise BYD, aufgekauft werden.
25:08Was sagen Sie zu solchen Szenarien?
25:11Quatsch. Einfach Quatsch, weil diese Diskussionen, die haben wir schon seit 100 Jahren.
25:18Das war als General Motors, Opel, damals als Ford, Chrysler, großer Herber.
25:26Die Automobilindustrie besteht darin, dass wir internationale Unternehmen haben.
25:32Schauen Sie, ein Großteil der chinesischen Unternehmen, wenn wir es Neo nehmen, wenn wir Chao Peng nehmen, die haben ihre
25:39institutionelle Heimatzentrale in den Kämern-Inseln.
25:43Und nicht in China. In China arbeiten sie. Also wir müssen vielfältig sein.
25:49Und jetzt einfach solche Szenarien, die die Welt zu plappern, werden übernommen, ohne irgendwelche Hinweise, ohne irgendwelche Facts, finde ich
25:57schwach.
25:59Ja gut, das war die Aussage in einem Interview von einem Ökonomen.
26:02Aber in einem Interview kann ich doch überlegen, was ich sage. Da muss ich einfach vor mich hinplappern.
26:08Gut, ich wollte nur sagen, der Süddeutschen Zeitung kann man diese Aussagen wohl eher weniger vorwerfen.
26:13Ja, ich nenne mich nur.
26:17Ja, Herr Dudenhöfer, vielleicht ein positives Szenario, bevor wir noch einmal pessimistisch werden müssen.
26:25Sie haben es jetzt schon mehrfach skizziert, aber vielleicht noch einmal fokussiert auf eine Antwort.
26:30Was braucht es genau, damit in einigen Jahren nicht wieder in der Zeitung steht, 100.000 Stellen müssen abgebaut werden,
26:37sondern vielleicht das Gegenteil, es wird ausgebaut, es werden neue Fabriken eröffnet etc.
26:43Was muss die deutsche Autoindustrie tun?
26:45Das ist eine enge Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen.
26:49Wir lernen von denen, die geben uns nach Hilfe.
26:51Und das wurde, wir müssen Deutschland wieder wegbewerbsfähig machen.
26:55Das ist die größte Aufgabe. Deutschland ist eine Katastrophe.
26:58Und vielleicht der Blick auf ganz Europa, wenn wir sagen, ich spreche mit Ihnen ja hier aus Österreich,
27:04wie werden die Auswirkungen auf ganz Europa, wenn es nicht klappt?
27:09Wir laufen in der Entwicklung, die schon mal in der Geschichte virulent war,
27:14Das nannte sich in Deutschland Weimarer Republik.
27:19Das waren die Anfänger vom Dritten Reich.
27:24Was hat das jetzt mit Europa zu tun? Ich weiß, was die Weimarer Republik ist.
27:28Wie die Parteien in Europa funktionieren, wie stabil die Regierungen sind, wo die Regierungen ihre Heimat haben.
27:35Es ist doch nicht nur Deutschland, dass wir in den Umfragen einen AfD-Anteil haben,
27:40der am größten ist von allen Parteien.
27:43Wir gehen in eine Rechtsentwicklung und diese Rechtsentwicklung ist nicht das, was wir machen sollten.
27:49Wir glauben, dann schützen zu können, so wie wir es vor langer Zeit in Deutschland haben.
27:55Das war grausam, das war schlecht, das war extrem zu verurteilen.
27:59Aber wenn die Menschen immer weniger haben, wenn immer mehr Arbeitslose kommen,
28:03dann laufen wir in diese Richtungen, die wir schon einmal erlebt haben.
28:09Wir müssen schauen, dass wir wirkenwerbsfähig sind.
28:11Wir sind kein Verteilungsstaat mehr, wie wir uns das vor 20, 30 Jahren zurechtgelegt haben.
28:19Also ein Ende der Demokratie und dunkle Zeiten, wenn die Wirtschaft unter Wettbewerb nicht funktioniert.
28:24Könnte sein. Ob das so kommt, weiß ich nicht.
28:25Aber man muss ganz klar, schauen Sie doch, wie die politischen Parteien sich entwickeln.
28:31Es ist doch jetzt nicht, wie VW wird irgendwann von BYD übernommen zur waghalssicher Behauptung,
28:38sondern das ist der Versuch, das, was an Trends man sieht im politischen Bereich, einfach zu verstehen.
28:45Und diesen Trends, die sehen genauso gut Sie, wie ich die sehe.
28:51Der Nanz Dudenhöfer war das. Vielen Dank für Ihre Zeit und für Ihre Einschätzungen heute.
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29:05Ich bin Daniel Retschezeker. Vielen Dank fürs Dabeisein. Bis zum nächsten Mal.
29:08Bis zum nächsten Mal.
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