00:00.
00:06Angriffe im Cyberspace sind längst Alltag.
00:10KI und Quantencomputer können beides.
00:12Angreifen und schützen.
00:15Es läuft ein Rennen zwischen Hackern und Forschern.
00:18Die neue KI-Mythos von Anthropic
00:20kann Software-Sicherheitslücken erkennen,
00:23taugt aber auch als Cyberwaffe.
00:28Ist das die nächste apokalyptische Sau,
00:31die da durchs Dorf gejagt wird?
00:32Die KI wird jegliche Computersicherheit kollabieren lassen.
00:36Dass die künstliche Intelligenz unsere Jobs killen wird,
00:40uns kontrollieren und manipulieren wird,
00:42das haben wir ja schon verdaut.
00:43Und man fragt sich, was steckt hinter all dem?
00:47Herzlich willkommen bei Nano.
00:48Wollen die großen KI-Player einfach ablenken
00:51von der Macht, die sie anhäufen
00:53oder vom gigantischen ökologischen Fußabdruck,
00:56damit wir bloß vergessen, sie zu regulieren?
00:59Auch beim neuesten KI-Programm von Anthropic
01:03ist es nicht so einfach, auseinander zu dividieren,
01:06wo die Gefahr endet und das clevere Marketing beginnt.
01:11Die digitale Welt ist Fluch und Segen zugleich.
01:15Die US-Firma Anthropic hat eine KI entwickelt,
01:18die selbstständig IT-Sicherheitslücken in Betriebssystemen findet.
01:23Gelangt die intelligente Software
01:24jedoch in die Hände von Hackern oder Diktatoren,
01:28könnte sie die Welt ins Chaos stürzen.
01:30Selbst die Entwickler sind beeindruckt.
01:34Ich habe in den vergangenen Wochen mehr Fehler gefunden
01:37als in meinem bisherigen Leben zusammen.
01:39Das Problem dabei, das Schlagzeilen macht,
01:42das Programm finde die Fehler nicht nur,
01:44sondern nutze sie auch aus und dringe in Systeme ein.
01:48Zu gefährlich, meint Anthropic,
01:50weshalb man es erst ein paar großen US-Firmen zugänglich macht.
01:54Die Befürchtung?
01:56Die Technologie könne als verheerende Cyberwaffe
01:59gegen kritische Infrastrukturen
02:01wie Stromnetze oder Krankenhäuser eingesetzt werden.
02:05Die amerikanische Tech-Szene ist alarmiert.
02:11Ich glaube, es wird eine Art erzwungener Neustart
02:14für die gesamte Cybersicherheitsbranche
02:16und ein sehr bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Technik.
02:23Die Lage ist offenbar so ernst, dass Finanzminister Bassent
02:27und US-Notenbankchef Powell bei einem Treffen im Weißen Haus
02:31amerikanische Bankenchefs vor neuen Cyber-Risk-Gefahren gewarnt haben sollen.
02:36Aber ist die Software wirklich so gefährlich und ein Sicherheitsrisiko?
02:42SRF-Digitalredakteur Guido Berger ordnet ein.
02:47Anthropic inszeniert sich noch gerne mit apokalyptischen Beschreibungen,
02:51wie fähig ihre Modelle sind.
02:53Damit wollen sie uns eigentlich unter die Nase reiben,
02:55wie gut ihre Modelle sind.
02:57Das ist ein Stück weit Marketing.
02:59Aber es ist ein reales Problem, eines, das über Anthropic hinausgeht.
03:03Es ist ein generelles Problem, das jetzt aufgetreten ist.
03:06Weil Sprachmodelle mittlerweile gut genug sind,
03:09um Programmcodes zu schreiben und zu analysieren.
03:13Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist schnell
03:16und die Kommunikation der Firmen bekannt.
03:19Auch Sam Altman, Chef von OpenAI,
03:22warnte vor seinem Sprachmodell Chat-GPT.
03:25Heute spricht er sich dafür aus,
03:27dass die Menschen vor zu mächtigen KI-Unternehmen
03:30geschützt werden sollen.
03:32KI-Professor Thilo Stadelmann sagt,
03:35dass KI-Unternehmen leistungsfähige Modelle auf den Markt bringen
03:38und gleichzeitig davor warnen, das habe mit der Konkurrenz zu tun.
03:44Es ist ein Stück auch ein Argument,
03:46die eigene Relevanz und Wichtigkeit hochzuhalten,
03:48vor den Investoren, vor den Kunden zu sagen,
03:51wir sind so relevant, es ist sogar gefährlich.
03:53Das sollte man besser auch keinem anderen zutrauen.
03:57Auch man sollte es nicht einfach releasen.
03:59Open Source ist ganz gefährlich,
04:00lass uns so die Konkurrenz von der Seite halten.
04:02Da redet auch einer mit der Brille auf,
04:05wie tue ich meiner Firma und meinen Investoren gut.
04:08KI-Ethikerin Angela Müller sagt, es sei noch zu wenig bekannt,
04:12um die Gefahr der Software abzuschätzen.
04:14Doch das Beispiel zeige einmal mehr,
04:16dass Regulierung von KI-Firmen wichtig sei.
04:20Das wirklich Gefährliche daran ist auch die Machtkonzentration.
04:24Das heißt, wir müssen uns auf den guten Willen
04:26und die hehren Absichten von einem Anbieter verlassen,
04:28der nicht rechenschaftspflichtig ist.
04:30Das zeigt auch, dass die Anbieter oft den Eindruck vermitteln,
04:33nur sie könnten sagen, wie man die Technologie regulieren könne.
04:37Ich denke, wenn wir technologische Entwicklung
04:39wirklich an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten wollen,
04:42müssen wir dem mit demokratischen Mitteln begegnen.
04:45Doch wie kann man sich vor solchen immer mächtigeren KI-Anwendungen
04:49mit Missbrauchspotenzial schützen?
04:53Als Privatperson kann man nicht viel machen,
04:55ausser das, was man immer machen sollte.
04:57Seine Software auf dem neuesten Stand halten,
04:59um dann, wenn die Lücken gestopft sind,
05:00auch die entsprechende Version bei sich auf dem Computer zu haben.
05:04Ob Marketing-Hype oder reale Gefahr, das muss sich wohl noch zeigen.
05:09Doch Sicherheitsverantwortliche werden in Zukunft
05:11wohl so oder so viel zu tun haben.
05:16Das kann man wohl sagen.
05:18Denn nicht nur von Seiten der KI droht Gefahr in der digitalen Welt,
05:21sondern auch von den Quantencomputern.
05:24Und zwar beim Austausch von sogenannten kryptographischen Schlüsseln.
05:28Das ist sozusagen die Anleitung,
05:31um einen verschlüsselten Text dechiffrieren zu können.
05:33Etwa so wie das Kindermachen, das man in Spiegelschrift geschrieben hat
05:37oder mit vertauschtem Alphabet.
05:39Im echten Leben werden die Schlüssel mit mathematischen Problemen erstellt,
05:44die so schwierig sind, dass selbst die stärksten Rechner sie nicht knacken können.
05:49Aber bald sind Quantencomputer einsatzfähig und vor denen ist gar nichts sicher.
05:55Es läuft ein Rennen zwischen Forschern und Hackern.
06:02Hier regiert das Geld.
06:04Das Londoner Bankenviertel Canary Wharf.
06:08Täglich werden hier Devisengeschäfte im Wert von geschätzt 3,8 Billionen US-Dollar abgewickelt.
06:14Mehr als ein Drittel des globalen Handelsvolumens.
06:18Die rasante Entwicklung von Quantencomputern hat die Szene aufgeschreckt.
06:25Das ist die größte Bedrohung für unsere Verschlüsselungsverfahren.
06:30HSBC ist die größte Bank Europas.
06:33220.000 Mitarbeitende, 25 Milliarden jährlicher Gewinn.
06:40Die ganzen Systeme, die die Kundendaten verwalten, die Zahlungen absichern,
06:46all das ist in Gefahr mit den wachsenden Möglichkeiten des Quantencomputing.
06:54Jede Menge Geld könnte gestohlen werden.
06:57Ja, es geht um viel Geld.
06:59Und es könnte eine gewaltige Störung auslösen.
07:02Denn das Fundament des Finanzsystems ist Vertrauen.
07:05Und wenn Verschlüsselungen geknackt werden, könnte es zu einem katastrophalen Vertrauensverlust kommen.
07:10Nicht nur bei Banken, sondern im gesamten Finanzsystem.
07:17Länder wie China oder Russland hacken Datennetz in aller Welt.
07:21Gleichzeitig liegt China bei den staatlichen Investitionen in Quantencomputer weit vorne.
07:27Sichere Verschlüsselungen sind ein geopolitisches Muss.
07:32Banken sind Hauptziele von Cyberkriminellen.
07:35Aber hier geht es auch um die nationale Sicherheit, um Daten von Regierungsbehörden,
07:40aus dem Gesundheitswesen, der Energieversorgung, der Infrastruktur.
07:44Es betrifft viel mehr als nur die Industrie.
07:48Die Deutsche Bundesbank etwa geht von über 5000 Hackerangriffen pro Minute aus.
07:54Firewalls, Antivirus oder autonome Abwehrprogramme, vieles ist möglich.
07:59Das komplette Glasfasernetzwerk lässt sich allerdings nicht überwachen.
08:04Bei Toshiba erforscht Andrew Shields Verteidigungsstrategien.
08:08Er warnt vor Fiber-Hacking.
08:10Die Glasfaserleitungen, über die heute fast alle Informationen laufen,
08:15seien nicht so sicher, wie man meinen könnte.
08:19Wir müssen lediglich ein kleines Band in die Faser einführen.
08:23Und schon leuchtet sie, weil nur ein Teil des Lichts austritt.
08:26Man kann sogar Abhörgeräte kaufen, die eine Art Ring in die Faser einführen
08:31und damit einen Teil des Signals abgreifen.
08:34Der Hacker kann so ganz einfach die Informationen extrahieren.
08:40Aber das heißt, er müsste Zugang zum Glasfaserkabel haben,
08:44es tatsächlich anfassen, um an Informationen zu kommen?
08:50Er oder sie müssten das tun, das ist richtig.
08:53Aber die Glasfaser kommt ja irgendwo aus dem Boden.
08:56Sie wird durch Schränke geführt, an der Außenseite von Gebäuden.
09:00Das ist also eigentlich kein Hindernis.
09:05Glasfaserkabel sind das Nervensystem der Gesellschaft.
09:09Bankdaten, digitale Unterschriften, medizinische Daten, Genomdaten.
09:13Ohne Internetsicherheit lebt es sich gefährlich.
09:16Daten sicher kodieren zu können, ist daher alles.
09:20Die Basis bei der Verschlüsselung, eine mathematische Gleichung,
09:24die in eine Richtung sehr leicht zu lösen ist, umgekehrt jedoch praktisch gar nicht.
09:30Etwa die Zerlegung von Primfaktoren.
09:33Noch ganz simpel bei kleinen Zahlen, 15 ist eben 3 mal 5.
09:38Auch 77 lässt sich noch einfach in die beiden Primzahlen 11 und 7 zerlegen.
09:47Aber keine Chance bei größeren Zahlen. Im Kopf sowieso nicht.
09:54Man sieht, es ist recht einfach, aus diesen beiden Zahlen die große Zahl zu bestimmen, indem man multipliziert.
10:01Umgekehrt ist es ziemlich schwierig.
10:08Aber jetzt habe ich noch eine weitere Zahl, die ich dir gerne zeigen möchte, Ingolf.
10:14Vielleicht kannst du sie ja in Primfaktoren zerlegen.
10:17Willst du es versuchen?
10:20Wie viele Ziffern hat sie?
10:23Sie hat 637 Dezimalstellen, was einer Binärzahl mit 2048 Stellen entspricht.
10:32Und das ist die Grundlage des RSA-Verfahrens, das wir heute verwenden.
10:38Tatsächlich wurde berechnet, dass der weltweit größte Supercomputer, El Capitan,
10:44etwa 100 Millionen Jahre brauchen würde, um die Primfaktoren zu dieser Zahl zu finden.
10:50Wenn wir hingegen einen Quantencomputer mit 4000 logischen Qubits hätten,
10:56könnte er dasselbe Problem in Minuten oder Stunden lösen.
11:01Da ist sie wieder, die Bedrohung der bisherigen Sicherheitsarchitektur durch Quantencomputer.
11:07Offenbar kann nichts so bleiben, wie es ist.
11:11Aber vielleicht ist das Kind ja schon in den Brunnen gefallen.
11:18Könnte es sein, dass Hacker heute Daten sammeln und nur darauf warten, bis die Quantencomputer stark genug sind, um diese
11:25Daten dann zu entschlüsseln?
11:27Das ist ein Bedrohungsszenario.
11:30Wir nennen es jetzt speichern, später entschlüsseln.
11:33Das sind rückwirkende Angriffe und dagegen kann man nicht viel tun.
11:37Zum einen, weil sie nur schwer zu entdecken sind.
11:40Und wenn Daten einmal abgefangen wurden, sind sie eben zugänglich.
11:44Ich bin sehr sicher, dass das schon passiert und Daten gespeichert werden für die Zukunft, wenn es leistungsfähigere Rechner gibt.
11:52Verrückt, ob die Verantwortlichen das auf dem Schirm haben?
11:55Man muss heutzutage vorsichtig mit seinen Geheimnissen sein, denn sobald es einen großen Quantencomputer gibt, könnte alles aufgedeckt werden.
12:05Wann kommt der? Noch haben die Quantencomputer die Labore nicht verlassen.
12:10Aber an der Uni Oxford ist etwas gelungen, was die Evolution großer Quantencomputer rasant beschleunigen dürfte.
12:18Quantencomputer sind eine völlig neue Art zu rechnen.
12:21Und wir wissen, dass diese Art zu rechnen viel mächtiger ist als ein klassischer Computer.
12:26Der nächste große Meilenstein, der in den nächsten Jahren sicher passieren wird, ist, dass jemand, was damit ausrechnet, was damit
12:32simuliert,
12:33dass tatsächlich eine Antwort ist, die wir nicht vorher kannten, die nützlich ist.
12:38Die zum Beispiel ein Molekül simuliert oder einen Supraleiter oder sowas in die Richtung.
12:44Und dann darüber hinaus, also um Verschlüsselung zu brechen, das kann schon noch zehn Jahre dauern, glaube ich.
12:51Also wenn ich jetzt eine Botschaft bin und einen diplomatischen Inzidenz auslöst.
12:56Und vielleicht verschlüsselt habe, welche Spione unterwegs sind, welche Namen da.
13:00Also wenn ich jetzt in diesem Geschäft wäre, dann würde ich mir große Sorgen machen.
13:05Houston, wir haben ein Problem.
13:10Und woher kommt die Rettung? Interessanterweise auch von der Quantenphysik.
13:14Denn sie wird von so merkwürdigen Gesetzen bestimmt, dass sich sogar Verschlüsselungen bauen lassen, die prinzipiell unhackbar sind.
13:23Das erzählen wir Ihnen in der Fortsetzung morgen in Nano.
13:27Jetzt schauen wir erstmal auf die Grundvoraussetzungen für all diese Entwicklungen.
13:31Ob Quantenrechner oder KI, ohne elektrische Energie sind sie nichts.
13:36Und KI-Rechenzentren brauchen besonders viel Energie.
13:40In Irland ist das zu einem echten Problem geworden.
13:46Die Hochburg der US-Tech-Riesen in Europa.
13:49Hier in Dublin haben viele US-Konzerne ihre wichtigsten europäischen Niederlassungen.
13:54Vor allem im Hafengebiet, den sogenannten Silicon Docks.
13:57Mit den Adressen von Meta, Google, Airbnb und Amazon.
14:01Die Regierung in Dublin lockte mit niedrigen Steuern und ermöglichte den Bau riesiger Datencenter.
14:07Auch um die Rechenleistungen der künstlichen Intelligenz für die US-Konzerne zu ermöglichen.
14:12Vor allem in Irland, wo besonders viele amerikanische und chinesische Technologieunternehmen angesiedelt sind, werden mehr und mehr Datencenter gebaut.
14:22Die verbrauchen enorm viel Ressourcen. Energie, aber auch Wasser.
14:29139 Rechenzentren stehen schon in Irland, 110 von ihnen allein im Großraum Dublin.
14:34In Europa sind es ungefähr 1500, etwa in Frankfurt, Amsterdam und Paris.
14:40Doch nirgends ist die Konzentration so hoch wie in Dublin.
14:44Irlands gemäßigtes Klima ist günstig für die Kühlung der Server und die sind rund um die Uhr in Betrieb.
14:50Doch es gibt Kritik.
14:53Der Bau der Rechenzentren überfordere die grüne Insel.
14:57Das Stromnetz kommt an seine Grenzen, die Gefahr von Stromausfällen steige.
15:01Die Strompreise schnellen in die Höhe. Die Stromknappheit ein Pulverfass.
15:06Schon jetzt machen die Datencenter 22 Prozent des gesamten irischen Stromverbrauchs aus.
15:12Bis 2034 werden es vermutlich 31 Prozent werden. Der EU-Durchschnitt liegt bei drei Prozent.
15:20Und das wiederum hat dazu geführt, dass in Irland andere Industrien Schwierigkeiten haben, um noch angeschlossen zu werden ans Elektrizitätsnetz.
15:31Aber auch, dass die erneuerbaren Energien, die zum Beispiel durch Offshore-Windparks erzeugt werden, nicht ausreichen, um den Energieverbrauch der
15:40Datencenter zu stillen.
15:44Offshore-Parks im Atlantik. Mit Windenergie werden 30 Prozent des irischen Stroms abgedeckt.
15:50Und es soll noch viel mehr werden.
15:51Doch Irland hängt auch noch an der herkömmlichen fossilen Stromproduktion.
15:5540 Prozent des irischen Stroms werden in solchen Anlagen hergestellt, in Gaskraftwerken.
16:02Und die werden wohl für die Datencenter noch länger am Netz bleiben.
16:06Also der irische Elektrizitätsanweter, der erzeugt auch auf herkömmliche Weise Strom, das heißt durch Verbrennung von Kohle und Gas.
16:16Und dieser Strom, der braune Strom, wird halt auch eingeführt ins Elektrizitätsnetz, um die Nachfrage nach Energie für die Datencenter
16:28zu stillen.
16:29Und nicht nur das. Irlands Datencenter betreiben sogar Dieselgeneratoren, um den mangelnden Strom zu produzieren.
16:35Das bringt Irlands Regierung mächtig unter Druck.
16:38Irlands Klimaziele könnten in weite Ferne rücken.
16:40Ein Dilemma. Bisher erfüllte Irlands Regierung die Wünsche der US-Tech-Krisen.
16:45Jetzt muss man Grenzen ziehen und gibt den Druck an die US-Unternehmen weiter.
16:50Der Google-Konzern verspricht, bis 2030 seine Datencenter bis zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu speisen.
16:582022 lag der Anteil noch bei 39 Prozent.
17:03Und hier im Dubliner Stadtteil Teller geht man noch einen anderen Weg.
17:08Die Abwärme der Datencenter wird nämlich weiterverwendet. Und das funktioniert so.
17:12Das Emerson Datencenter leitet die Abwärme an eine Wärmepumpe weiter.
17:17Mithilfe einer Rückgewinnungsanlage kann diese überflüssige Wärme so gewandelt werden,
17:22dass damit das Rathaus, die Technische Universität und zahlreiche Sozialwohnungen in Teller geheizt werden können.
17:29Ein erster Schritt, mit dem Irland aus seinem Dilemma herausfinden will,
17:33zwischen den eigenen Interessen und denen der US-Konzerne.
17:41Rechenzentren entstehen überall in Europa, auch um Frankfurt herum, in Amsterdam, in Wien und so weiter.
17:46Wie kann man das Stromproblem in der EU lösen?
17:50Das wollen wir erfahren von Ivo Schmidt.
17:52Er ist Ökonom in der Generaldirektion Energie der EU-Kommission.
17:55Hallo Herr Schmidt.
17:57Hallo.
17:58In Dublin werden ja jetzt vermehrt fossile Kraftwerke wieder angeworfen.
18:03Riskieren wir wegen dieser Rechenzentren unsere Klimaziele?
18:08Also erst einmal sind die Klimaziele ein gesetztes Ziel für ganz Europa und für jedes EU-Mitgliedsstaat.
18:13Und das sind langfristige Ziele.
18:15Also langfristig sind wir auf gutem Weg dorthin.
18:17Erneuerbare werden immer weiter ausgebaut.
18:20Energieeffizienz geht auch weiter hoch und die Treibhausgasemissionen gehen generell runter.
18:24Natürlich gibt es mehr Nachfrage, zum Beispiel in Nördern, wie eben eingeblendet.
18:28Aber generell in Europa sind wir auf dem richtigen Weg.
18:31Aber es gibt da schon in Einzelheiten auch Probleme.
18:34Es gibt zum Beispiel ein Rechenzentrum, das jetzt in Frankfurt geplant wird.
18:37Mit Cyrus One, bis 2029 möchte man da Gaskraftwerke aufbauen, um nur dieses Rechenzentrum zu betreiben.
18:45Also sind Sie sich sicher, dass wir nicht die Fossilen wieder ein Revival bieten, um diese Rechenzentren überhaupt am Start
18:52zu halten?
18:54Natürlich können wir das nicht verbieten auf EU-Ebene.
18:57Es gibt aber Marktsignale, die zeigen, wie teuer Fossile sind.
19:01Das geht über den ETS, Emissionshandelssystem, aber natürlich auch durch die jetzige Marktlage.
19:06Die Knappheit der fossilen Brennstoffe und dadurch, dass Europa das importieren muss, macht es immer teurer.
19:12Erneuerbare sind also die Lösung und wir hoffen, dass die Datenzentren Verträge eingehen mit Erneuerbaren, um das direkt zu beschaffen.
19:20Zusätzlich gibt es auch ein Reporting auf EU-Ebene, in der wir die Transparenz schaffen wollen,
19:26um überhaupt zu etablieren und zu zeigen, welche Datenzentren was für Energie verbrauchen.
19:31Und wir werden Vorschläge machen, um für nächstes Jahr, 2027, ein Label zu kreieren, um wieder Transparenz zu schaffen,
19:39und damit man weiß, was die Datenzentren überhaupt verbrauchen.
19:43Reporting, Monitoring, ein Label, das ist sicherlich eine gute Sache, aber was kann das konkret denn bewirken?
19:48Wird denn dadurch jetzt irgendein Rechenzentrum tatsächlich dann erneuerbar betrieben?
19:56Natürlich schon, denn es gibt auch wie Amazon und andere Rechenzentren, die sich dafür schon verpflichtet haben.
20:01Und wie gesagt, der Markt zeigt, dass Erneuerbare die billigste Stromvariante ist, die sie beziehen können am Markt.
20:07Und falls das dann nicht genügt, dann sind wir auch im Stande, einen Vorschlag zu machen für Mindest-Performance-Standards.
20:19Das würde das Label als etwas Verpflichtendes machen, um wahrhaftig alle dazu zu zwingen, diese Transparenz zu schaffen.
20:26Jetzt ist ja ein Ansatz in Dublin, tatsächlich auch die Abwärme von den Rechenzentren zu nutzen.
20:32Wenn nun aber Rechenzentren auch im ländlichen Bereich gebaut werden, dann ist ja dort die Zahl der Abnehmer für die
20:39Fernwärme überhaupt nicht so groß.
20:41Was macht man denn dann? Also was gibt es da für eine Lösung? Dann verschwendet man die Energie?
20:46Das ist richtig. Je nachdem, wo das Datenzentrum geortet ist, hat es verschiedene Möglichkeiten, die Abwärme zu nutzen.
20:54Normalerweise sind die meisten Datenzentren unweit von den großen Städten, zum Beispiel Frankfurt, Amsterdam, London, Paris geortet.
21:02Oder wie eben gezeigt, auch in Dublin. Und da gibt es schon eine Nutzung der Abwärme in bestehenden Fernnetzen oder
21:08auch in neuen Wärmefernnetzen.
21:10Aber es gibt auch andere Strategien, zum Beispiel diese Abwärme für die Landwirtschaft zu benutzen oder andere Neuindustrie, die sich
21:18daneben ansiedeln können.
21:20Öfters wird das auch in den Industriepark benutzt und da kann auch die Abwärme dann nützlich benutzt werden.
21:25Europa muss sich ja in ganz vielen Bereichen elektrifizieren, natürlich auch im Gebäudebereich für die Heizung.
21:30Wärmepumpen brauchen wir, Elektroautos und so weiter.
21:34Also sind Sie sich sicher, dass wir da nicht am Ende auf irgendetwas verzichten müssen, weil eben die Rechenzentren so
21:40viel Strom brauchen?
21:43Also unsere Hochrechnung zurzeit, auch wenn wir die bestehenden Rechenzentrenskapazitäten in Europa verdoppeln oder verdreifachen in den nächsten neun bis
21:52zehn Jahren
21:53und somit auch den Strombedarf verdoppeln und verdreifachen,
21:56würde das immer noch nur in Anführungsstrichen fünf bis sechs Prozent des insgesamten Stromverbrauchs in Europa darstellen.
22:04Verglichen mit den E-Autos, mit dem Zug, mit der Schiene, der Bahn, aber auch der Elektrifizierung der Haushalte oder
22:12der Industrie,
22:12ist das nicht unbedingt der größte Anteil.
22:15Wir sehen, dass die Entwicklung weiterhin der Netze in Europa vorangetrieben wird.
22:20Es gibt Effizienzmaßnahmen, auch durch effiziente Produkte.
22:23Das ist so viel, wird viel eingespart.
22:25Und natürlich wird der erneuerbare Ausbau immer weiter vorangetrieben.
22:27Das wird auch immer mehr beschleunigt auf EU-Ebene, aber auch auf nationaler Ebene.
22:32Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch, Herr Ivo Schmidt.
22:36Danke Ihnen.
22:38Nach all den Digitalisierungsthemen heute in Nano, es gibt auch Lösungen in der analogen Welt und die können echte Vorteile
22:46bieten.
22:47Überwachung in einem Gefängnis in Brasilien.
22:51Gleich zweimal werden wir kontrolliert. Einmal in der Einfahrt zum Gefängnisparkplatz.
22:57Und ein zweites Mal am Besuchereingang mit einem Metalldetektor wie am Flughafen.
23:05Dann erst öffnet sich das große Gefängnistor. Auf den Wachtürmen Scharfschützen und Kameras.
23:14Gefängniswärter Marcos Coronetti begleitet uns zum schärfsten Alarmsystem im Knast.
23:21Es lauert zwischen Zaun und Mauer. Eine Gänseherde.
23:30Wir sind auf dem Land, hier ist es leise. Wenn die Gänse Lärm machen, wird das sofort bemerkt.
23:36Sie sind laut. Alle hier hören es und es ist klar, wenn die Gänse laut schnattern, passiert irgendetwas Ungewöhnliches.
23:48Wartungsarm, robust, wetterfest. Die Gänse sind ein vollautomatisches Alarmsystem.
23:5524 Stunden, Sauerstoff- und Futterbetrieben, immun gegen Cyberangriffe.
24:02Ein All-in-One-Biosensor mit Alarmfunktion made by nature.
24:12Früher gab es im Gefängnis Wachhunde, aber diese waren bestechlich.
24:19Hunde sind anders als Gänse. Hunde sind treu. Sie werden Freunde, wenn du ihnen Futter gibst. Sind loyal. Gänse nicht.
24:32Keine der Gänse.
24:33Sie freunden sich mit niemandem an. Sie sind demokratisch und hassen alle gleich.
24:41Gefüttert werden die Gänse von Gefangenen, die kurz vor der Entlassung stehen und bereits im halboffenen Vollzug sind.
24:50Coronetti nennt die Gänse Kollegen. Sie patrouillieren. Auch nachts bleibt ein Teil der Herde aufmerksam.
24:57Mit anderen Worten, ein natürlicher Schichtbetrieb ohne Dienstplan.
25:03Unsere Gänse wechseln sich ab. Die Gruppe macht irgendwo Halt. Einige schlafen. Andere bleiben wach.
25:13San Pedro di Alcantara ist ein modernes Hochsicherheitsgefängnis. Hier sind 1300 Schwerverbrecher in Gewahrsam, viele mit Jahrzehnte oder lebenslangen Haftstrafen.
25:27Die Bilder der fast 400 Kameras laufen in der Überwachungszentrale zusammen. Eine Stunde am Tag können sich die Gefangenen die
25:36Füße vertreten.
25:40Sollte in der Nacht etwas passieren, sind die Gänse ein natürliches Warnsystem und machen Lärm.
25:47Der Wachdienst wird es hören und Bescheid sagen, damit dann hier in der Zentrale jemand auf den Kameras nachsehen kann,
25:54was los ist.
25:57Die Idee, Gänse als Wachtiere zu halten, ist nicht neu. Schon vor tausenden von Jahren sollen Gänse das alte Rom
26:05vor einem mächtlichen Angriff bewahrt haben.
26:09Noch nie ist aus San Pedro di Alcantara ein Insasse geflohen. Ein Grund dafür, an diesem Wachpersonal kommt niemand unbemerkt
26:19vorbei.
26:22Wir schnattern morgen wieder zu den großen Themen der Forschung. Unter anderem, wie man es an der Uni Oxford geschafft
26:27hat, ein erstes Netzwerk von Quantencomputern zu bauen.
26:31Ich freue mich auf Sie. Bis morgen. Bis dann.
26:38Bis dann.
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