00:03Es ist zum Haarraufen. Zumindest wenn man denn welche hätte. Da startet mit Zero Space schon
00:09wieder ein echt vielversprechendes Echtzeitstrategiespiel in den Early Access und dann
00:14begrüßt es die Spieler erstmal ziemlich kopflos. Zwar kommuniziert das Spiel direkt von Beginn an,
00:20bei welchen Spielbestandteilen ihr noch mit Problemen rechnen müsst, doch das sind ausgerechnet
00:25die Teile, mit denen neue Spieler als allererstes konfrontiert werden. Das Hauptmenü, das Interface,
00:31Teile der Grafik und des Sounds und vor allem die Kampagne. Theoretisch ist das natürlich alles
00:36legitim, im Early Access ist eben noch nicht alles fertig. Doch die Realität sieht halt ein
00:42bisschen anders aus. Viele Spieler kommen da an und bewerten das Spiel für sich auf Basis des ersten
00:47Eindrucks. Das mag nicht immer fair sein, aber ist nun mal so, besonders in diesem Genre, an das die
00:53Leute höhere Anforderungen stellen als etwa an den Zustand eines Open-World-Survival-Spiels. Das
00:59ließ sich in den letzten beiden Jahren schon am Debakel von Stormgate gut beobachten. Das startete
01:04mit einem ganz ähnlichen Ansatz und wurde ab Tag 1 auseinandergenommen, weil vor allem die
01:08Kampagne so gar nicht den Erwartungen entsprach und der volle Fokus auf PvP und E-Sport nicht gut bei
01:14der Masse des Spieler ankam. Obwohl es also genügend Anschauungsmaterial gäbe, werden dieselben
01:21Fehler immer wieder wiederholt und könnten jetzt auch ein Stück weit für Zero Space zum Problem
01:26werden. Aber, und das ist die gute Nachricht, schafft ihr es erstmal an den ersten Unzulänglichkeiten
01:32vorbei, wartet da ein echt kompetentes Spiel auf euch, mit dem wir bereits viel Spaß hatten und bei
01:38dem wir hoffen, dass es bis zum vollen Release durchhält und sein Potential noch zur Entfaltung bringen
01:43kann. Aber damit genug der Vorrede, schauen wir mal, was dieses Spiel eigentlich ausmacht.
01:54Zero Space ist ähnlich wie StarCraft und damit im Gegensatz zu Spielen wie Age of Empires,
01:59eher auf flottere, actionreichere Partien ausgelegt, in denen der Fokus auf den Kämpfen liegt. Basenbau
02:06gibt es, der ist aber eher nur ein Anhängsel. Das liegt insbesondere am Fehlen von richtigen Arbeitern.
02:12Die Hauptressource Hexit kommt nur an vordefinierten Spots vor und wird direkt von euren Hauptgebäuden
02:19gesammelt. Die zweite Ressource Flux ist zwar etwas freier auf der Karte verteilt und wird von
02:24mobilen Arbeitern abgebaut, doch auch die agieren vollkommen autonom. Und so wählt ihr für den
02:29Gebäudebau nicht erst einen Arbeiter aus, stattdessen rasen automatisch kleine Drohnen von euren Hauptgebäuden
02:35zur Baustelle. Es geht also bei der Wirtschaft mehr darum, das richtige Timing für die Expansion zu finden und
02:42weniger um das Micromanagement drumherum. Dadurch habt ihr einerseits mehr Zeit für eure Truppen,
02:48andererseits fallen einige interessante Entscheidungen und Interaktionen weg. So müsst ihr z.B. nicht mehr
02:54abwägen, ob ihr einen Arbeiter vom Ressourcensammeln abzieht, um auf der anderen Seite der Karte ein
02:59Gebäude zu errichten. Und auch das Stören der feindlichen Wirtschaft ist so ganz ohne normale Arbeiter auch
03:05deutlich schwieriger. Umso mehr Möglichkeiten habt ihr in Zero Space dafür in Sachen Einheiten und Kampf.
03:11Mit den zerkartigen Grell, dem menschlichen Protektorat, dem an Warhammer 40k erinnernden Imperium und
03:17den robotischen Xol wählt ihr zwischen vier deutlich unterschiedlichen Fraktionen, die jeweils mindestens
03:23zehn Einheitentypen ins Feld führen. Dazu kommen aktuell noch sechs Söldnergruppierungen, von denen ihr
03:29vor einer Partie eine auswählt und dann von deren einzigartigen Vorteilen und rekrutierbaren
03:35Spezialtruppen profitiert. Das bringt zusätzliche strategische Tiefe ins Spiel, über die ihr euren
03:41Spielstil individualisieren und mit der ihr auf die Fraktionswahl eures Gegenübers reagieren könnt.
03:47Obendrein leiht sich Zero Space von Warcraft die Idee zusätzlicher Heldeneinheiten. Bei Partiebeginn
03:53wählt ihr aus mehreren Optionen einen von insgesamt 15 Champions aus. Das sind besonders starke Kämpfer,
04:00mit denen ihr anfangs entweder Druck auf euren Gegner ausübt oder spezielle Türme auf der Karte
04:05einnehmt, die euch fortlaufend Erfahrung gewähren. Mit dieser Erfahrung wiederum schaltet ihr in der
04:11laufenden Partie aktive und passive Spezialfähigkeiten frei, mit denen ihr eure fraktionsspezifischen
04:17Merkmale verbessert. Beim Imperium etwa könnt ihr euch auf der zweithöchsten Erfahrungsstufe
04:22aussuchen, ob ihr eine mächtige Inkarnation des Imperators beschwören wollt oder eine massive
04:28Abwehrplattform auf die Karte setzt. Das Protektorat kann einen Trupp frischer Soldaten an der Front abwerfen
04:34oder einen Luftschlag anordnen. Die Grail passen die Mutationen ihrer Truppen auf verschiedene Weisen an
04:40und bei den Xol verbessert ihr unter anderem das Verschmelzen von Einheiten. Die Energie dazu sammeln die
04:45Fraktionen passiv über Zeit sowie durch den Verlust von Einheiten und Gebäuden. All diese Truppen und
04:51Fähigkeiten lassen sich anfänglich erstmal nur schwer überblicken. Besonders die Schlachten können schnell
04:57unübersichtlich werden. Zudem fehlt es aktuell noch an Tooltipps oder ausführlichen Tutorials,
05:02die einem die Grundmechaniken der Fraktionen nachhaltig beibringen. Zum Beispiel breiten die
05:07Grail einen Pflanzenbewuchs rund um ihre Gebäude aus. Dass der hauptsächlich dazu da ist, die Sicht
05:13der Gegner einzuschränken, war uns aber die längste Zeit nicht klar. Andere Neuerungen lassen sich dagegen
05:19schnell verinnerlichen. So zum Beispiel der Umstand, dass alle neu produzierten Truppen automatisch in die
05:24erste Steuerungsgruppe übernommen werden, was es leichter macht, die Einheiten beieinander zu halten
05:29und sie nicht irgendwo zu vergessen. Sehr schön ist auch, dass die aktiven Fähigkeiten aller gerade
05:35ausgewählter Einheiten in derselben Leiste auftauchen und ihr nicht erst die Truppentypen
05:40manuell durchschalten müsst, um Zugriff auf ihre Talente zu bekommen. Zudem werden alle
05:46Forschungseinrichtungen und Produktionsgebäude jeweils zusammengefasst. So wechselt ihr mit einem Druck auf
05:51die Tabulator-Taste zwischen allen Forschungsmöglichkeiten, allen Produktionsstätten
05:56und der Gesamtarmee. In Zero Space müsst ihr also nie ein bestimmtes Gebäude suchen,
06:00um etwas in Auftrag zu geben. Alles liegt nur einen Tastendruck entfernt.
06:05Und apropos Tastendruck, ihr könnt in Zero Space eure Einheiten mit der Maus ganz einfach so
06:11wie hier in Linienformation bringen. Coole Sache. Zur Geltung kommt dieses Kern-Gameplay nun in drei
06:17Bereichen. Als erstes im normalen Versus-Modus, also vor allem im 1 gegen 1, wo ihr gegen menschliche
06:23Gegner oder die KI antretet. Dann gibt es da den elfteiligen ersten Akt der Kampagne,
06:28auf die wir gleich noch genauer eingehen, sowie den umfangreichen Koop-Modus. Der ist besonders
06:34interessant, weil er schon jetzt zehn verschiedene Missionstypen und eine Survival-Karte anbietet,
06:38auf der ihr euch so lange gegen feindliche Horden verteidigt, bis euch die überrennen.
06:48Der Koop-Modus ist außerdem in einen persistenten Konflikt eingebettet. Im Galaktischen Krieg schließt
06:54ihr euch einer von drei Allianzen an und kämpft über Wochen hinweg um die Vorherrschaft in der
06:58Galaxie. Um ein System zu erobern, schließt ihr Koop-Einsätze gegen die KI ab und sammelt
07:04dadurch Punkte für eure Seite. Es geht hier also nicht darum, wie in einem MMO direkt gegen menschliche
07:10Spieler anzutreten, sondern nur um eine zusätzliche Motivation und Meta-Ebene. Denn
07:15beherrschte Systeme gewähren kleine dauerhafte Vorteile für eure Seite, die sich durch das
07:20gemeinsame Investieren in Infrastruktur aufwerten lassen. Diese Progressions-Mechanik ist zwar
07:26noch nicht komplett implementiert, zeigt aber schon ihr Potenzial. Denn so gibt es nochmal
07:31diese eine Karotte vor der Nase, die zumindest den etwas kompetitiveren Spielern in einem normalen
07:36Koop-Modus gerne mal abgeht. Habt ihr übrigens mal keinen passenden Mitspieler und wollt euch mit
07:42keinem Fremden zusammentun, könnt ihr euch im Koop-Modus auch eine sehr kompetente KI dazu holen,
07:48die ihr über Pings steuern könnt und die dann auch tatsächlich eine echte Hilfe ist.
07:53Ebenfalls noch nicht ganz fertig ist die visuelle Überholung der Fraktionen. Zero Space schwächelte in
07:58unseren Augen von Anfang an etwas bei der Darstellung. Das ganze Universum fühlte sich immer etwas generisch an
08:04und das spiegelte sich auch im Design der vier Fraktionen wieder. Das hat Entwickler Starlands
08:10offenbar ähnlich gesehen und sich mit Aaron Kambitz, dem Lead Artist von Homeworld und
08:14Mitbegründer von Relic Entertainment dazugeholt. Und dessen Handschrift merkt man sofort mit Blick
08:20auf das bereits rund erneuerte Protektorat, dessen Einheiten jetzt deutlich cooler aussehen als zuvor.
08:26Wie viel sich bei den anderen Fraktionen dahingehend noch ändern wird, darauf wollten sich die Entwickler
08:31noch nicht festlegen. Wir hoffen aber mal, dass sich da noch ein bisschen was tut, auch wenn es in
08:37unseren Augen klüger gewesen wäre, diesen Umbau vor dem Start des Oldiex abzuschließen. Denn da sind
08:43wir wieder beim anfangs schon erwähnten Ersteindruck. Wer jetzt das Spiel kauft und sagt, ach, das ist mir
08:50alles ein bisschen zu generisch und langweilig hier, der wird vermutlich nicht erwarten, dass sich da noch
08:55mal groß was ändern könnte und wird dem Spiel wahrscheinlich keine zweite Chance mehr geben. Statt sich auf
09:00solche zentralen Aspekte von Anfang an stärker zu konzentrieren, wurden andere, eigentlich löbliche
09:06Features eingebaut. Zum Beispiel gibt es schon jetzt die Möglichkeit, sich Replays der eigenen
09:11Partien anzuschauen oder nach einem Verbindungsabbruch nochmal in die Partie zurückzukehren. Ein Feature,
09:17das die wenigsten Titel in ihrer fertigen Version anbieten können. Gleichzeitig fehlt, genau wie damals
09:23bei Stormgate, jegliche Möglichkeit des manuellen Speicherns, egal in welchem Modus. Wer denkt sich denn,
09:29so eine Priorisierung der Features aus? Selbst wenn das eine gerade leichter umzusetzen ist als das
09:35andere, sollte trotzdem Speichern Vorrang vor Replays haben. Gerade in der Kampagne wäre das
09:40schon ungemein wichtig gewesen. Denn die ist, wie ihr eingangs schon bei der Zwischensequenz mit
09:45dem kopflosen Körper gesehen habt, in einem doch so schlechten Zustand, dass es vielleicht besser
09:51gewesen wäre, sie entweder erstmal noch komplett wegzulassen oder gleich richtig gepolisht einzubauen.
09:56Auch das ist wieder so eine Parallele zu Stormgate, dass seine Kampagne unfertig
10:01rausgestellt hat und dafür viel Spott über sich ergehen lassen musste. Allerdings da,
10:07auch weil Stormgate deutlich vollmundiger an den Start gegangen war als Zero Space jetzt,
10:11das insgesamt deutlich zurückhaltender Auftritt, dafür aber auch weniger Aufmerksamkeit generieren
10:17konnte. Aber immerhin ist bei Zero Space deutlich erkennbar, dass unter der unfertigen Oberfläche
10:22ein ambitioniertes Kampagnenerlebnis wartet. Wenn gerade mal kein Bug dazwischenfunkt,
10:28machen die abwechslungsreichen Einsätze definitiv schon Spaß. Sie werden halt nur mit Klebeband
10:34zusammengehalten. Die Metaprogression zwischen den Missionen ist noch völlig unfertig, viele
10:39Nebengespräche sind nicht verfügbar, in den Zwischensequenzen kommt es zu absurden Grafik- und
10:44Audiofehlern und selbst die Reihenfolge der Einsätze kann durcheinander kommen. Einmal haben wir einen verrückten
10:50Wissenschaftler in seinem Superroboter erledigt, nur um ihm dann einige Missionen später überhaupt
10:54erst vorgestellt zu werden. Da hier also doch einiges nicht zusammenpasst und ganze Dialoge
11:01fehlen, wollen wir zur Qualität der Story lieber noch kein Fazit abgeben. Das Ganze wirkt nicht fertig
11:06und entsprechend nicht reif für eine Besprechung. Nur als Überblick, im Großen und Ganzen dreht sich der
11:13erste Akt fast ausschließlich um das Protektorat. Dabei geht es viel um typisches Militärgehabe mit Anweisungen
11:19von oben, Befehlsverweigerungen einer Crew, die an Star Trek erinnert und der Jagd nach einer
11:25besonders mächtigen Alien-Lebensform, die alles irgendwie verändern könnte.
11:44Insgesamt kommt es in Zero Space aktuell also stark darauf an, welchen Modus ihr spielen wollt und
11:50wie gut ihr damit klarkommt, wenn einige prominente Features noch unausgegoren sind oder recht roder
11:55herkommen. Gerade der Koop-Modus zeigt sich schon in einem sehr guten Zustand, lediglich bei sehr
12:01großen Truppenansammlungen kommt es aktuell noch zu Performance-Problemen, wo die FPS dann schon mal
12:07auf 20 oder 30 Bilder pro Sekunde einbrechen können. Wirklich gewundert hat uns das bei dem auf der
12:13Unreal Engine 4 basierenden Spiel aber nicht. Denn wenn ihr euch anschaut, was da alles mit
12:17Inbrunst schießt und explodiert, dabei kleine Schattenwirft und Leichenteile hinterlässt, dann ist ein
12:23bisschen Geruckel im Early Access wohl zu verzeihen. Optimierungsbedarf hätten wir bei der Präsentation
12:29eigentlich nur beim Sounddesign, das öfter noch etwas mehr Wucht haben dürfte. Gerade die
12:34Schussgeräusche klingen etwas arg flach, außerdem lassen sich viele Einheiten audiovisuell nicht gut
12:40voneinander unterscheiden. Aber auch daran soll laut Roadmap im Early Access noch fleißig gewerkelt werden.
12:45Wir jedenfalls drücken die Daumen, dass sich Zero Space letztendlich beweisen kann und genügend Spieler
12:51findet, um nicht so zu enden wie Kollege Stormgate. Hier entsteht vielleicht kein StarCraft 3, aber
12:57dennoch ein richtig starker Vertreter seines gebeutelten Genres. Konkret empfehlen können
13:02wir den 40 Euro teuren Titel, aktuell dennoch nur denen unter euch, die bewusst die Entwicklung
13:07unterstützen oder von Anfang an intensiv im PvP mitmischen wollen. Wer dagegen eher auf Singleplayer-Inhalte
13:14steht, kann locker noch ein bisschen warten. Und damit vielen Dank fürs Zusehen und bis zum nächsten Mal.
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