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  • vor 14 Stunden
Das Echtzeit-Strategiespiel ZeroSpace ist in den Early Access gestartet und setzt gleich mal unter anderem auf Kampagne, Koop-Modi und PvP-Multiplayer. Doch mit so viel Inhalt wirken viele Elemente auch noch erstaunlich unfertig, selbst für eine Early-Access-Version.

 

Gerade der erste Kontakt mit ZeroSpace könnte deshalb zur Enttäuschung werden. Wer aber am Ball bleibt, merkt wahrscheinlich schnell, dass ZeroSpace durchaus viele spannende Ansätze bis hin zu kleinen Ideen bietet. Jetzt müssen wir nur hoffen, dass das RTS bis zur Version 1.0 durchhält und sein Potenzial tatsächlich ausspielen kann.
Transkript
00:03Es ist zum Haarraufen. Zumindest wenn man denn welche hätte. Da startet mit Zero Space schon
00:09wieder ein echt vielversprechendes Echtzeitstrategiespiel in den Early Access und dann
00:14begrüßt es die Spieler erstmal ziemlich kopflos. Zwar kommuniziert das Spiel direkt von Beginn an,
00:20bei welchen Spielbestandteilen ihr noch mit Problemen rechnen müsst, doch das sind ausgerechnet
00:25die Teile, mit denen neue Spieler als allererstes konfrontiert werden. Das Hauptmenü, das Interface,
00:31Teile der Grafik und des Sounds und vor allem die Kampagne. Theoretisch ist das natürlich alles
00:36legitim, im Early Access ist eben noch nicht alles fertig. Doch die Realität sieht halt ein
00:42bisschen anders aus. Viele Spieler kommen da an und bewerten das Spiel für sich auf Basis des ersten
00:47Eindrucks. Das mag nicht immer fair sein, aber ist nun mal so, besonders in diesem Genre, an das die
00:53Leute höhere Anforderungen stellen als etwa an den Zustand eines Open-World-Survival-Spiels. Das
00:59ließ sich in den letzten beiden Jahren schon am Debakel von Stormgate gut beobachten. Das startete
01:04mit einem ganz ähnlichen Ansatz und wurde ab Tag 1 auseinandergenommen, weil vor allem die
01:08Kampagne so gar nicht den Erwartungen entsprach und der volle Fokus auf PvP und E-Sport nicht gut bei
01:14der Masse des Spieler ankam. Obwohl es also genügend Anschauungsmaterial gäbe, werden dieselben
01:21Fehler immer wieder wiederholt und könnten jetzt auch ein Stück weit für Zero Space zum Problem
01:26werden. Aber, und das ist die gute Nachricht, schafft ihr es erstmal an den ersten Unzulänglichkeiten
01:32vorbei, wartet da ein echt kompetentes Spiel auf euch, mit dem wir bereits viel Spaß hatten und bei
01:38dem wir hoffen, dass es bis zum vollen Release durchhält und sein Potential noch zur Entfaltung bringen
01:43kann. Aber damit genug der Vorrede, schauen wir mal, was dieses Spiel eigentlich ausmacht.
01:54Zero Space ist ähnlich wie StarCraft und damit im Gegensatz zu Spielen wie Age of Empires,
01:59eher auf flottere, actionreichere Partien ausgelegt, in denen der Fokus auf den Kämpfen liegt. Basenbau
02:06gibt es, der ist aber eher nur ein Anhängsel. Das liegt insbesondere am Fehlen von richtigen Arbeitern.
02:12Die Hauptressource Hexit kommt nur an vordefinierten Spots vor und wird direkt von euren Hauptgebäuden
02:19gesammelt. Die zweite Ressource Flux ist zwar etwas freier auf der Karte verteilt und wird von
02:24mobilen Arbeitern abgebaut, doch auch die agieren vollkommen autonom. Und so wählt ihr für den
02:29Gebäudebau nicht erst einen Arbeiter aus, stattdessen rasen automatisch kleine Drohnen von euren Hauptgebäuden
02:35zur Baustelle. Es geht also bei der Wirtschaft mehr darum, das richtige Timing für die Expansion zu finden und
02:42weniger um das Micromanagement drumherum. Dadurch habt ihr einerseits mehr Zeit für eure Truppen,
02:48andererseits fallen einige interessante Entscheidungen und Interaktionen weg. So müsst ihr z.B. nicht mehr
02:54abwägen, ob ihr einen Arbeiter vom Ressourcensammeln abzieht, um auf der anderen Seite der Karte ein
02:59Gebäude zu errichten. Und auch das Stören der feindlichen Wirtschaft ist so ganz ohne normale Arbeiter auch
03:05deutlich schwieriger. Umso mehr Möglichkeiten habt ihr in Zero Space dafür in Sachen Einheiten und Kampf.
03:11Mit den zerkartigen Grell, dem menschlichen Protektorat, dem an Warhammer 40k erinnernden Imperium und
03:17den robotischen Xol wählt ihr zwischen vier deutlich unterschiedlichen Fraktionen, die jeweils mindestens
03:23zehn Einheitentypen ins Feld führen. Dazu kommen aktuell noch sechs Söldnergruppierungen, von denen ihr
03:29vor einer Partie eine auswählt und dann von deren einzigartigen Vorteilen und rekrutierbaren
03:35Spezialtruppen profitiert. Das bringt zusätzliche strategische Tiefe ins Spiel, über die ihr euren
03:41Spielstil individualisieren und mit der ihr auf die Fraktionswahl eures Gegenübers reagieren könnt.
03:47Obendrein leiht sich Zero Space von Warcraft die Idee zusätzlicher Heldeneinheiten. Bei Partiebeginn
03:53wählt ihr aus mehreren Optionen einen von insgesamt 15 Champions aus. Das sind besonders starke Kämpfer,
04:00mit denen ihr anfangs entweder Druck auf euren Gegner ausübt oder spezielle Türme auf der Karte
04:05einnehmt, die euch fortlaufend Erfahrung gewähren. Mit dieser Erfahrung wiederum schaltet ihr in der
04:11laufenden Partie aktive und passive Spezialfähigkeiten frei, mit denen ihr eure fraktionsspezifischen
04:17Merkmale verbessert. Beim Imperium etwa könnt ihr euch auf der zweithöchsten Erfahrungsstufe
04:22aussuchen, ob ihr eine mächtige Inkarnation des Imperators beschwören wollt oder eine massive
04:28Abwehrplattform auf die Karte setzt. Das Protektorat kann einen Trupp frischer Soldaten an der Front abwerfen
04:34oder einen Luftschlag anordnen. Die Grail passen die Mutationen ihrer Truppen auf verschiedene Weisen an
04:40und bei den Xol verbessert ihr unter anderem das Verschmelzen von Einheiten. Die Energie dazu sammeln die
04:45Fraktionen passiv über Zeit sowie durch den Verlust von Einheiten und Gebäuden. All diese Truppen und
04:51Fähigkeiten lassen sich anfänglich erstmal nur schwer überblicken. Besonders die Schlachten können schnell
04:57unübersichtlich werden. Zudem fehlt es aktuell noch an Tooltipps oder ausführlichen Tutorials,
05:02die einem die Grundmechaniken der Fraktionen nachhaltig beibringen. Zum Beispiel breiten die
05:07Grail einen Pflanzenbewuchs rund um ihre Gebäude aus. Dass der hauptsächlich dazu da ist, die Sicht
05:13der Gegner einzuschränken, war uns aber die längste Zeit nicht klar. Andere Neuerungen lassen sich dagegen
05:19schnell verinnerlichen. So zum Beispiel der Umstand, dass alle neu produzierten Truppen automatisch in die
05:24erste Steuerungsgruppe übernommen werden, was es leichter macht, die Einheiten beieinander zu halten
05:29und sie nicht irgendwo zu vergessen. Sehr schön ist auch, dass die aktiven Fähigkeiten aller gerade
05:35ausgewählter Einheiten in derselben Leiste auftauchen und ihr nicht erst die Truppentypen
05:40manuell durchschalten müsst, um Zugriff auf ihre Talente zu bekommen. Zudem werden alle
05:46Forschungseinrichtungen und Produktionsgebäude jeweils zusammengefasst. So wechselt ihr mit einem Druck auf
05:51die Tabulator-Taste zwischen allen Forschungsmöglichkeiten, allen Produktionsstätten
05:56und der Gesamtarmee. In Zero Space müsst ihr also nie ein bestimmtes Gebäude suchen,
06:00um etwas in Auftrag zu geben. Alles liegt nur einen Tastendruck entfernt.
06:05Und apropos Tastendruck, ihr könnt in Zero Space eure Einheiten mit der Maus ganz einfach so
06:11wie hier in Linienformation bringen. Coole Sache. Zur Geltung kommt dieses Kern-Gameplay nun in drei
06:17Bereichen. Als erstes im normalen Versus-Modus, also vor allem im 1 gegen 1, wo ihr gegen menschliche
06:23Gegner oder die KI antretet. Dann gibt es da den elfteiligen ersten Akt der Kampagne,
06:28auf die wir gleich noch genauer eingehen, sowie den umfangreichen Koop-Modus. Der ist besonders
06:34interessant, weil er schon jetzt zehn verschiedene Missionstypen und eine Survival-Karte anbietet,
06:38auf der ihr euch so lange gegen feindliche Horden verteidigt, bis euch die überrennen.
06:48Der Koop-Modus ist außerdem in einen persistenten Konflikt eingebettet. Im Galaktischen Krieg schließt
06:54ihr euch einer von drei Allianzen an und kämpft über Wochen hinweg um die Vorherrschaft in der
06:58Galaxie. Um ein System zu erobern, schließt ihr Koop-Einsätze gegen die KI ab und sammelt
07:04dadurch Punkte für eure Seite. Es geht hier also nicht darum, wie in einem MMO direkt gegen menschliche
07:10Spieler anzutreten, sondern nur um eine zusätzliche Motivation und Meta-Ebene. Denn
07:15beherrschte Systeme gewähren kleine dauerhafte Vorteile für eure Seite, die sich durch das
07:20gemeinsame Investieren in Infrastruktur aufwerten lassen. Diese Progressions-Mechanik ist zwar
07:26noch nicht komplett implementiert, zeigt aber schon ihr Potenzial. Denn so gibt es nochmal
07:31diese eine Karotte vor der Nase, die zumindest den etwas kompetitiveren Spielern in einem normalen
07:36Koop-Modus gerne mal abgeht. Habt ihr übrigens mal keinen passenden Mitspieler und wollt euch mit
07:42keinem Fremden zusammentun, könnt ihr euch im Koop-Modus auch eine sehr kompetente KI dazu holen,
07:48die ihr über Pings steuern könnt und die dann auch tatsächlich eine echte Hilfe ist.
07:53Ebenfalls noch nicht ganz fertig ist die visuelle Überholung der Fraktionen. Zero Space schwächelte in
07:58unseren Augen von Anfang an etwas bei der Darstellung. Das ganze Universum fühlte sich immer etwas generisch an
08:04und das spiegelte sich auch im Design der vier Fraktionen wieder. Das hat Entwickler Starlands
08:10offenbar ähnlich gesehen und sich mit Aaron Kambitz, dem Lead Artist von Homeworld und
08:14Mitbegründer von Relic Entertainment dazugeholt. Und dessen Handschrift merkt man sofort mit Blick
08:20auf das bereits rund erneuerte Protektorat, dessen Einheiten jetzt deutlich cooler aussehen als zuvor.
08:26Wie viel sich bei den anderen Fraktionen dahingehend noch ändern wird, darauf wollten sich die Entwickler
08:31noch nicht festlegen. Wir hoffen aber mal, dass sich da noch ein bisschen was tut, auch wenn es in
08:37unseren Augen klüger gewesen wäre, diesen Umbau vor dem Start des Oldiex abzuschließen. Denn da sind
08:43wir wieder beim anfangs schon erwähnten Ersteindruck. Wer jetzt das Spiel kauft und sagt, ach, das ist mir
08:50alles ein bisschen zu generisch und langweilig hier, der wird vermutlich nicht erwarten, dass sich da noch
08:55mal groß was ändern könnte und wird dem Spiel wahrscheinlich keine zweite Chance mehr geben. Statt sich auf
09:00solche zentralen Aspekte von Anfang an stärker zu konzentrieren, wurden andere, eigentlich löbliche
09:06Features eingebaut. Zum Beispiel gibt es schon jetzt die Möglichkeit, sich Replays der eigenen
09:11Partien anzuschauen oder nach einem Verbindungsabbruch nochmal in die Partie zurückzukehren. Ein Feature,
09:17das die wenigsten Titel in ihrer fertigen Version anbieten können. Gleichzeitig fehlt, genau wie damals
09:23bei Stormgate, jegliche Möglichkeit des manuellen Speicherns, egal in welchem Modus. Wer denkt sich denn,
09:29so eine Priorisierung der Features aus? Selbst wenn das eine gerade leichter umzusetzen ist als das
09:35andere, sollte trotzdem Speichern Vorrang vor Replays haben. Gerade in der Kampagne wäre das
09:40schon ungemein wichtig gewesen. Denn die ist, wie ihr eingangs schon bei der Zwischensequenz mit
09:45dem kopflosen Körper gesehen habt, in einem doch so schlechten Zustand, dass es vielleicht besser
09:51gewesen wäre, sie entweder erstmal noch komplett wegzulassen oder gleich richtig gepolisht einzubauen.
09:56Auch das ist wieder so eine Parallele zu Stormgate, dass seine Kampagne unfertig
10:01rausgestellt hat und dafür viel Spott über sich ergehen lassen musste. Allerdings da,
10:07auch weil Stormgate deutlich vollmundiger an den Start gegangen war als Zero Space jetzt,
10:11das insgesamt deutlich zurückhaltender Auftritt, dafür aber auch weniger Aufmerksamkeit generieren
10:17konnte. Aber immerhin ist bei Zero Space deutlich erkennbar, dass unter der unfertigen Oberfläche
10:22ein ambitioniertes Kampagnenerlebnis wartet. Wenn gerade mal kein Bug dazwischenfunkt,
10:28machen die abwechslungsreichen Einsätze definitiv schon Spaß. Sie werden halt nur mit Klebeband
10:34zusammengehalten. Die Metaprogression zwischen den Missionen ist noch völlig unfertig, viele
10:39Nebengespräche sind nicht verfügbar, in den Zwischensequenzen kommt es zu absurden Grafik- und
10:44Audiofehlern und selbst die Reihenfolge der Einsätze kann durcheinander kommen. Einmal haben wir einen verrückten
10:50Wissenschaftler in seinem Superroboter erledigt, nur um ihm dann einige Missionen später überhaupt
10:54erst vorgestellt zu werden. Da hier also doch einiges nicht zusammenpasst und ganze Dialoge
11:01fehlen, wollen wir zur Qualität der Story lieber noch kein Fazit abgeben. Das Ganze wirkt nicht fertig
11:06und entsprechend nicht reif für eine Besprechung. Nur als Überblick, im Großen und Ganzen dreht sich der
11:13erste Akt fast ausschließlich um das Protektorat. Dabei geht es viel um typisches Militärgehabe mit Anweisungen
11:19von oben, Befehlsverweigerungen einer Crew, die an Star Trek erinnert und der Jagd nach einer
11:25besonders mächtigen Alien-Lebensform, die alles irgendwie verändern könnte.
11:44Insgesamt kommt es in Zero Space aktuell also stark darauf an, welchen Modus ihr spielen wollt und
11:50wie gut ihr damit klarkommt, wenn einige prominente Features noch unausgegoren sind oder recht roder
11:55herkommen. Gerade der Koop-Modus zeigt sich schon in einem sehr guten Zustand, lediglich bei sehr
12:01großen Truppenansammlungen kommt es aktuell noch zu Performance-Problemen, wo die FPS dann schon mal
12:07auf 20 oder 30 Bilder pro Sekunde einbrechen können. Wirklich gewundert hat uns das bei dem auf der
12:13Unreal Engine 4 basierenden Spiel aber nicht. Denn wenn ihr euch anschaut, was da alles mit
12:17Inbrunst schießt und explodiert, dabei kleine Schattenwirft und Leichenteile hinterlässt, dann ist ein
12:23bisschen Geruckel im Early Access wohl zu verzeihen. Optimierungsbedarf hätten wir bei der Präsentation
12:29eigentlich nur beim Sounddesign, das öfter noch etwas mehr Wucht haben dürfte. Gerade die
12:34Schussgeräusche klingen etwas arg flach, außerdem lassen sich viele Einheiten audiovisuell nicht gut
12:40voneinander unterscheiden. Aber auch daran soll laut Roadmap im Early Access noch fleißig gewerkelt werden.
12:45Wir jedenfalls drücken die Daumen, dass sich Zero Space letztendlich beweisen kann und genügend Spieler
12:51findet, um nicht so zu enden wie Kollege Stormgate. Hier entsteht vielleicht kein StarCraft 3, aber
12:57dennoch ein richtig starker Vertreter seines gebeutelten Genres. Konkret empfehlen können
13:02wir den 40 Euro teuren Titel, aktuell dennoch nur denen unter euch, die bewusst die Entwicklung
13:07unterstützen oder von Anfang an intensiv im PvP mitmischen wollen. Wer dagegen eher auf Singleplayer-Inhalte
13:14steht, kann locker noch ein bisschen warten. Und damit vielen Dank fürs Zusehen und bis zum nächsten Mal.
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